überm Bach

Von Gipfel zu Gipfel, alles am Grat. Von Ortschaft zu Ortschaft, alles am Seil. Denn nicht jeder erträgt den Schwindel, den der zwischen den Trollblumen und gelbblühenden Frühsommerwiesen dahinschwimmende Bach aus den firnglänzenden Höhen herabzieht und ausströmt. Bedeutende Persönlichkeiten, klangvolle Namen sind da glucksend im Gluckern des Baches vergangen. Ihre Taten sind zerstückelt wie das Katzensilber, das die Forellen mit ihren Bäuchen aufwirbeln. Und ihr Leben, das ihrerseits teils als Zinne, teils als Kammer im schwindelerregenden Eispalast stand, rinnt nun aufgelöst zwischen den Herden der wiederkäuenden Kühe, die unter gepflegten Decken im Gras lagern und ihre rehbraunen Augen zu den Gattern erheben, die sich öffnen, immer dann, wenn der Melker mit dem Tankwagen kommt.

erlebt und erzählt aus den „Tiroler Bergen“, 1994

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