genau dazwischen

zwischen Heimlichem und Unheimlichem
zwischen Wahrschein und
höchst unwahrscheinlichen Dingen
geschehen Wunder und Alltag
in der Spanne zwischen Aufwachen und Einschlafen
löst sich menschliches Leben
in Spiel auf

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mein Haupt

ehe ich davon rede
neige ich mich
vor meinem Haupt
worin so vieles steckt
sogar das Universum könnte darin versteckt sein
manchmal ist es erhoben und entblößt

sinkt melancholisch auf die Brust zurück oder
der Hand eingeschmiegt
grüblerisch träumend.

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Herz

es zerreißt mich
zerbricht mir
die innerste Wohnstatt
zertrümmert das Herz
in diesem bedrohten und bedrohlichen
Leib
neben tausenden die einzige Bleibe
unaufhörliche Pochen im Ohr und
mitunter anschwellendes Rauschen
durchfließenden Bluts
dabei weiß man

Salatköpfe haben ebenfalls Herzen
gut eingewickelt in Grün
Herzen aus Stein oder Gold wiederum laufen
selten Gefahr
von Pfeilen getroffen zu werden
durchbohrt wie Sebastian
der seinen Herrn liebte
ich drücke mich an den Wände des Herzens entlang
manchmal schnürt es und krampft es in mir
manchmal lacht es
das Herz
trage es vielfältig mit mir
um darin nach Belieben hausen
oder schlafen zu können.

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Memento Rosa Luxemburg

„Auf meiner Grabestafel dürfen nur zwei Zeilen stehen: ‚Zwi-zwi‘. Das ist nämlich der Ruf der Kohlmeisen, den ich so gut nachmache, dass sie sofort herlaufen. Und denken Sie, in diesem Zwi-zwi, das sonst ganz klar und dünn, wie eine Stahlnadel auffunkelte, gibt es seit einigen Tagen einen ganz kleinen Triller, einen winzigen Brustton. Und wissen Sie, Fräulein Jacob, was das bedeutet? Das ist die erste leise Regung des kommenden Frühlings – trotz Schnee und Einsamkeit glauben wir – die Kohlmeisen und ich – an den kommenden Frühling! Und wenn ich den vor Ungeduld nicht erleben sollte, dann vergessen Sie nicht, dass auf meiner Grabestafel nichts stehen darf außer ‚Zwi-zwi‘ …“

Rosa Luxemburg an ihre Vertraute Mathilde Jacob in einem Brief aus dem Gefängnis. Sie wurde auf dem Zentralfriedhof Berlin-Friedrichsfelde beerdigt. Auf ihrem Grabstein steht: „Rosa Luxemburg / ermordet / 15. Januar 1919  Jüdischer Kalender, 5774

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Kommentar

zu SYLVIA HAGENBACH „Küchenquatsch“ –
ein Beitrag aus der Küchengartenstraße

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Zufälle

kommen vom Fallen
deswegen der Spruch
die Welt ist alles was der Fall ist
eine ungeheure Summe von
im Fallen begriffenen Fällen
incidences
coincidences
accidences

die Welt als Falle
musikalisch gesehen:
ein Katarakt aus Kadenzen.

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Rätsel und Bilder

zwischen Rätsel und Metapher gibt es eine enge
jedoch undurchschaubar bleibende Verwandtschaft
es lassen sich kluge Einsichten einstreuen
um das Nachdenken über Poesie und Menschenwitz zu befördern

aber bedenke
dass alles irgendwann ein Raub der Flammen sein könnte
dass ungelöste Rätsel
und ungerahmte Bilder
am ehesten Aussichten
auf glückliches Entkommen verheißen.

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dies Jetzt

mit großem Aufwand auf den Augenblick zurückkommen
vor kurzem erst
eingetreten und doch schon umstellt von Gesträuch und Gestrüpp
ein Dornenhag
dichter und stachliger als der
der das Schloss der schlafenden Schönen umgab
die gebannte Prinzessin
der Koch in der Küche
eine im Flug gebannte Fliege
die vor der Nasenspitze
verblieb.

 

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künstlich 2

menschliche und künstliche Intelligenz
als Parallelen ziehen sie in die kommende Welt
tangieren einander
berühren sich
doch die logische Unendlichkeit der Mathematiker
die behaupten
sie würden sich genau dort
[im Unendlichen]
schneiden
das lassen sie weit
hinter sich liegen.

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Photographie

beim Anblick der ersten
vom Licht gemalten Bilder
waren die Betrachter überrascht und erstaunt
als hätten die Apparate ihr fast
unmerklich fließendes Leben
in flagranti erwischt und
genau in dem Punkt innegehalten
den bis dahin noch kein menschliches Auge erfasst hatte
aus diesen gebannten Lebensmomenten

aus diesen magischen Stills[tände] stiegen
dann erst
die bewegten
die laufenden Bilder hervor
anfangs noch stumme Filme
später von Grammophonen und immer subtileren
Apparaten intoniert und begleitet
heute liefern uns Geräte
die wir in der Brusttasche oder um den Hals hängen haben
Begleitmusiken nach Wunsch
zu Wirklichkeiten
die jetzt
wie Filme
ablaufen können –
Rhythmen und Melodien
die durch Ohrstöpsel laufen
tragen zur Bildverarbeitung bei
die ein überfließender Fluss
den Augen einspeist.

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