Pfingsten

sieht so aus, als sei in den Kakteen extra viel Geist hängen geblieben –
liegt vielleicht an den Stacheln

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Leichtigkeit

Immer hat sie sich Leichtigkeit gewünscht, aber die ist schwer erschwinglich, hat man zu ihr gesagt. Wer nicht als Kind schon, wer nicht schon im Mutterleib fliegen lernt, lernt es nie.

Schau dir die Trapezkünstler an, die Akrobaten. Sie haben ihren trägen Leib abgeworfen, sind durch Gefahren und Schwindel hindurchgegangen. Das hat sie schmiegsam und gelenkig, das hat sie leicht gemacht. Aber du, meine Liebe, kommst zu spät mit deinem Wunsch. Diese Sehnsucht, du hättest sie erkennen müssen, ehe sie in dir aufkam. Nun bist du zu schwer, zu langsam. Wenn sich eine Welt oder Sphäre der Leichtigkeit vor dir eröffnen würde, du würdest darin herabfallen wie ein Stein.

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Relativität

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Christopher Williams

In allen Räumen sind Transportverpackungen abgestellt. Sie sind dort aufgestellt. Die Ausstellung könnte Tara heißen, wie Tara in Netto, Brutto, Tara.

Aber es sind keine Bild- oder Objekttransportkisten, sondern Stellwände, transportable Wandverbindungen. Außerdem sind es keine originalen Doppelwände, sondern Repliken. Schade, dass sie Originale simulieren, dass sie wie die originalen Stellwände hergerichtet sind, an denen Williams vor Jahren in anderen Ausstellungen seine Fotoarbeiten hängen hatte. Auch jetzt sind an einigen Fotos von Williams angebracht.  Normative Models heißt die Ausstellung. Also Module. Die Sujets der großen Fotos kommen aus der „westlichen Konsumgesellschaft“. Das sagt nicht viel. Sie sagen ganz allgemein nichts Besonderes. Man wird den Gedanken nicht los, dass die Stellwände in Wirklichkeit große Transportkisten sind [leere Container].

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Fontäne

Eine Wassersäule [Fontäne], die immerfort in ihren höchsten Punkt aufsteigt, im Scheitel angelangt mit wachsender Geschwindigkeit herabstürzt und mit Getöse auf der schäumenden Wasserfläche zerschellt. Ein lebhafter Anblick, aber ein unangenehmes Geräusch zwischen Scheppern, Platschen und Klatschen. Davonwehender Wasserstaub. Das Geräusch erinnert an die im Winde klirrenden Fahnen, wie Hölderlin sie vernommen hat an einem Tag im Herbst.

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es heißt …

er sei leihweise erfinderisch
Entdeckungen

die bei anderen ein säuerliches Aufstoßen auslösen
ihm stoßen sie zu und
sie lassen sich nicht abspenstig machen
als hätten sie lange schon auf sein Kommen gewartet
nur der Stein der Weisen
der ist ihm noch nicht untergekommen
es gibt eine Erklärung dafür
Steine sind geduldig
sie leben länger als das älteste Schildkrötengeschlecht
sie haben Wartezeiten
die in die Lichtjahre reichen …

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Verdacht

jeder Verdacht ein Vorurteil
ein Verdacht auf Verdacht

jeder Verdacht ist verdächtig
Vorurteile machen verdächtig

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Solagen [ausgesprochen: solaschen]

Fussspuren Trittspuren
verklungene Geräusch von herabtropfendem Wasser
ein blindes Huhn irrt dazwischen
ein Hauch von Vertrauen mit ihm
dankbares Geschöpf
du bist in der Ahnenlinie
von Reptilien und Vögeln

hast in kleinen Gärten das Erdreich durchsucht
unter Bäumen mit gewölbten Kronen
alles auf einem schieren Dosendeckel gepflanzt
Kompost
aus Grasschnitt und Essensabfällen gehäuft
von den Tischen der hannöverschen Tafeln
wo auch Vorhänge wehen aus geöffnetem Fenster heraus
und Schneenebel von den Dächern herabfliegt
behandelte Vorgärten mit Straßen dazwischen
Dinge bewegt
Gefühle bewegen
alles bewegt sich und steht wieder still
wie im Theater
schwimmen Zebrafische durchs Glas.

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beim Fadenspiel


wie Louise Bourgeois die Spinne, so definiert Germaine Richier die Ameise als charakteristisch weibliches Lebewesen; ungewöhnlich für eine Ameise: sie ist mit einem Fadenspiel befasst, in dem sie den Faden zu geometrischen Figuren auszieht.

Bild: Germaine Richier, Ameise, Bronze, 1953

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Haare ziehen und ähnliche Unsitten

Landesmuseum Hannover

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