female body

„Der weibliche Körper ist für mein Gefühl ziemlich aufgeladen. In historischen Gemälden schaue ich immer darauf, dann auch in der Mode. Das Bild des kopflosen Mannequinkörpers oder  die kopflose weibliche Skulptur aus der Antike beschäftigt mich sehr. Das liegt zum Teil daran, dass sie von der Ästhetisierung eines weiblichen Körpers berichten, aber auch  eine Art Tilgung andeuten.“

„The female body is definitely something that feels pretty charged for me. It’s something that I look at a lot in historical paintings, and then also in fashion. The image of the headless mannequin body or the headless antique form are both really compelling for me, partly because they speak to the aestheticization of a woman’s body, but also suggest a kind of erasure.“

Caitlin Keogh: Blank Melody is on view at the Institute of Contemporary Art, Boston,
Quelle Text: artsnet news June 22, Caitlin Keogh im Interview


Bild: Aphrodite v. Kyrene, aus; New Larousse Encyclopedia if Mythology, p. 126

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Kunst in 2118

artsnet news hat 16 amerikanische Künstler gefragt, wie sie sich Kunst in 2018 vorstellen. Dazu Carla Gannis:

„Um Kunst in 100 Jahren zu imaginieren nehme ich einen Hinweis aus dem fiktionalen-spekulativen Roman „Frau an der Kante der Zeit“, Woman on the Edge of Time [1976] von Marge Piercy  – vielleicht kann ich damit die Frage einlösen. Piercy‘s Protagonistin Connie reist in zwei Zukünfte des Jahres 2137. In der einen hat sich die Umwelt stabilisiert, rassische und sexuelle Gleichheit sind erreicht, und Technologie ist „organisch“ verwoben mit allem Leben auf dem Planeten. Die andere Zukunft ist finsterer. Menschliche Würde, saubere Luft und Autonomie im Denken sind ein Luxus, der nur den Mega-mega-mega-Reichen verfügbar ist.
Hier Szenarium 01:
Im Jahr 2118 hat die Pentiumcostal-Kirche eine Billionengemeinde. Alle verehren den Herrn des Algorithmus in den Wolke, Godgle. Die vorherrschende Kunstbewegung ist Abstrakter Compressionismus. Die Erde hat jetzt eine Bevölkerung von etwa 20 Billionen, und über 250 Billionen Maschinen (jetzt Plastes Sapiens genannt). Große Teile der Erdoberfläche sind unbewohnbar. Daher steht nur ganz wenig Grund und Boden / Raum zur Verfügung für Kunstproduktion. Kunst wird produziert und komprimiert von menschlichen „Verehrern“ [worshipers], die Nanotechnologie einsetzen. Sie ist gut sichtbar für Maschinen und Singulariten (Cyborgs), für den Homo stultus (für den Menschen) aber nur mittels exorbitant kostspieliger virtueller Simulationsimplantate (as well as church membership fees).

Foto: Carla Gannis, Abstract Compressionism [2018]   Courtesy of the artist

Szenarium 02:

Menschen und Maschinen leben 2118 in Harmonie. Nach Jahrzehnten eines Lebens im Untergrund infolge eines verhängnisvollen, die Biosphäre zerstörenden Fall-outs des GR8 W@R des Jahres 2089, haben nun die Maschinen die Umwelt wieder stabilisiert. Menschen sind aus ihren unterirdischen Bunkern hervorgekommen, getrieben von schöpferischem Elan. Plein-Air VRainting ist das Vergnügen aller. Jeder Mensch ist jetzt ein interdataplinärer Künstler. Maschinen haben bewiesen, dass sie Regierung und Wirtschaft besser und effektiver betreiben. Die meisten Menschen beziehen sich auf die Erde als der aktuellen Welt der Kunst. Roboter sind im universalen Kunstbetrieb und –geschehen eingesetzt für alle Menschen. Sie kaufen, verkaufen, handeln übers DNA blockchain System.

Carla Ganni, Plein Air VRainting [2018]   Courtesy of the artist

Interessanterweise hat eine radikale Gruppe biogenetisch abgewichener Individuen begonnen, Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Sie malen auf Höhlenwänden, mit Beeren, Wurzeln und Blättern. Sie bringen seltsame Bilder hervor von Aliens und fliegenden Objekten.“

Text aus dem Amerikanischen übersetzt v. D.B., erschienen in artsnet news, June 1918

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Puzzle

Ein Puzzle ist im deutschen Sprachgebrauch ein Bild, das aus einer Menge Einzelteile zusammengesetzt werden will.

Es gibt da eine Ähnlichkeit zum Collagieren, aber auch entscheidende Unterschiede: die Zusammensetzung ist vorgeschrieben durch die maschinell vorgestanzte Form der einzelnen Elemente. Auf vielen Wegen kommt man immer nur zu einem Bild. Es ist eine andere Art Findigkeit gefragt als bei der künstlerischen Collagierarbeit. Es überwiegt ein Spaß am Tüfteln und Kombinieren. Es ist eher ein Denkspiel als ein lustvolles spielerisches Basteln und Phantasieren, wie man es vom Collagieren kennt.

Foto: ein vorgegebenes Motiv von Pieter Brueghel, auf dem es wundervoll wimmelt. Es ist aus dreitausend Einzelteilen zusammenzubauen.

Als Mischung aus Denksport und Verwirrspiel erfreute sich das Puzzlen in den letzten Jahrzehnten des vergangenen Jahrhundert großer Volkstümlichkeit, vergleichbar mit der Beliebtheit des Kreuzworträtsels, engl. crossword puzzle.

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säende Frau

Sie spannt Papier ein, einen ganzen Bogen
tuckert Leinwand auf einen Keilrahmen
schwankt kurz in der Wahl des Punktes
ein Fleck
aus dem eine Linie wegführt
nimmt Pixel
etwa eine Handvoll
streut aus über Bogen und Fläche
Gefühl einer säenden Frau
an Saatgut zu rühren
an die Kerne von Zufall und Freiheit
alles streut weit ins Gelände hinaus
mit Skyline dahinter.

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Beigaben

Lebensläufe raten, Berufe, Vorlieben, Hobbies … :

Skulptur über einem Grab auf dem Ricklinger Friedhof
und Grabbeigaben zu deren Füßen

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Werbekunst

Ein „still“ aus einer Video-Bildschirmwerbung.
Im Werbebereich sind zahl- und namenlose Künstlerkollegen engagiert.

Werbekunst – eine „Disziplin“ mit erbarmungslosem Wettbewerb zwischen Experiment und Konvention, ein hektisches Genre, das auf Aufmerksamkeit und Augenfang aus ist. Aber ist das nicht auch künstlerische Absicht?

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Jahre der Verpackungen

Vor vielleicht hundert Jahren hat Kurt Schwitters  behauptet, „man kann mit allem malen“, mit rostigen Nägeln, Garnrollen, Drahtstücken, weggeworfenen Straßenbahntickets …
Er hat diese Behauptung in Kunst umgesetzt.
Heute leben wir in einem ausgeprägten Verpackungsjahrzehnt.
Waren und Güter werden für den Transport und/oder zur Repräsentation auf sehr unterschiedliche Weise verpackt.
Dateien wiederum, wie sie jedes Update liefert, werden „entpackt“. In der gegenwärtigen Phase der massenhaften Verpackungsproduktion kann man aus diesen industriell vorgefertigten Materialien ebenfalls Kunst machen – und zwar o h n e den an sich löblichen Recycling-Gedanken im Kopf.

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Kunst bekleidet

industriell gefertigte Tierwesen,
einmal nackt [schwarz],
einmal bekleidet [gefleckt]

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Pfingsten

sieht so aus, als sei in den Kakteen extra viel Geist hängen geblieben –
liegt vielleicht an den Stacheln

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Leichtigkeit

Immer hat sie sich Leichtigkeit gewünscht, aber die ist schwer erschwinglich, hat man zu ihr gesagt. Wer nicht als Kind schon, wer nicht schon im Mutterleib fliegen lernt, lernt es nie.

Schau dir die Trapezkünstler an, die Akrobaten. Sie haben ihren trägen Leib abgeworfen, sind durch Gefahren und Schwindel hindurchgegangen. Das hat sie schmiegsam und gelenkig, das hat sie leicht gemacht. Aber du, meine Liebe, kommst zu spät mit deinem Wunsch. Diese Sehnsucht, du hättest sie erkennen müssen, ehe sie in dir aufkam. Nun bist du zu schwer, zu langsam. Wenn sich eine Welt oder Sphäre der Leichtigkeit vor dir eröffnen würde, du würdest darin herabfallen wie ein Stein.

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