unterm Gottesacker von Pruchtling

noch eine Begebenheit aus den „Tiroler Bergen“, aufgezeichnet …

Das großräumige Höhlensystem unterm Gottesacker von Pruchtling hat schon viele gelockt. Aber es gibt nur einen einzigen Eingang, den nur die Einheimischen wissen. Er befindet sich hinter dem Bildstock des Jeremias Zwetsch, der Anno 1733 beim Fällen einem Steinschlag erlag. Die Fremden neigen dazu, mit Schaufeln, die sie im Combi mitbringen und mit Eispickeln, die das Erdreich wie Butter auftun, ihren eigenen Eingang zu suchen. Binnen einiger Tage sind sie ans Ende ihres eigenen Stollens gelangt und jubeln auf, wenn sich auf einmal vor ihnen der Höhlenraum auftut, mit Tropfsteinen wie ein riesiger Wald aus versteinerten Strünken. Ein Triumphschrei, der zu den Pruchtlingern, die oben wieder einmal die Gräber ihrer Verstorbenen pflegen und aus den Beeten die Sternmieren ziehn, fern und dumpf wie ein Stöhnen empordringt. Die stehen dann in aller Gemächlichkeit aus ihren gebückten Verrichtungen auf und bekreuzigen sich, während unter ihnen der frisch geschlagene Stollen einsackt und bis zur Auferstehung der Toten keinen mehr rauslässt.

Hinterm Bildstock des Zwetsch, da kann man sich abseilen. Aber unterm Gottesacker ist es so ungeheuer verzwickt, dass man die in die Tiefe Verschlossenen – wenn überhaupt – erst nach Jahren auffinden könnte.

Dann ist der Jüngste Tag nicht mehr fern und bis dahin rette jeder seine eigene Seele.

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