eine mindere Kunstgattung

Es kann kein Zweifel darüber bestehen, dass die Stilllebenmalerei bis in unsere Zeit einer gewissen Geringschätzung unterworfen war, im Vergleich mit den anderen Gattungen. Und es ist nicht einfach, zu erkennen, ob das an den Gegenständen und Sujets lag, die im Stillleben zum Einsatz kommen, oder ob es die Zugänglichkeit dieses Feldes für weibliche Maladepten diese Malerei in einen billigen (in Wahrheit unbilligen) Ruf brachten.
Exemplarisch für die Einschätzung oder eben Geringschätzung durch die öffentliche Meinung dürfte ein Artikeleintrag sein, der sich im „Brockhaus‘ Konversations=Lexikon“ aus dem Jahre 1896 findet. Dieses Nachschlagewerk für die „gebildeten Stände“ gibt einen interessanten Aufschluss einmal über das für üblich gehaltene Inventar eines Stilllebens – in der Tat „Küchen- und Hausgerätschaften“ –dann über die damit offensichtlich einhergehende Trivialität des Genres:
„STILLEBEN, in der Malerei die Darstellung lebloser Gegenstände, wie Haus- und Küchengerätschaften, tote Jagdtiere, Fische, Blumen, Früchte u.s.w. in künstlerischer Anordnung.“
Im Unterschied zu den erhabenen oder erhebenden Gegenständen der „hohen“ Kunst pflegt die Stilllebenmalerei die Wiedergabe der banalen Dinglichkeit. Es ist, als würde sie durch die Gegenstände, die sie abbildet, mit entwertet und herabgezogen in die Sphäre von Alltag, Verzehr und Gebrauch. Das einzige Verdienst besteht dann in der „künstlerischen Anordnung“, wobei in der vorliegenden Auskunft von der Art der Darstellung völlig abstrahiert wird.
„Die Malerei des klassischen Altertums hat zur Zeit ihres beginnenden Verfalls, nach Alexander d.Gr., eine Anbahnung dieses Darstellungsgebietes aufzuweisen.“ Niedrige Künste oder Kunstdisziplinen bahnen sich an mit dem Niedergang der gesamten Kunst und Kultur. Auch diese Sichtweise und Beurteilung lässt die Minderbewertung durchblicken, von der die Stilllebenmalerei seit ihren Anfängen verfolgt worden ist. Als stünde sie über die Gegenstände ihrer Darstellung, über ihre Bildinhalte der Gebrauchskunst, dem Alltäglichen und Trivialen, das mit Kunst gar nichts zu tun hat, unerlaubt nahe.

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