Frühsommerlich Jahr

Eine Fliege sitzt inmitten einer Kirschblütenblüte, meditiert schlummernd.
Schlummerndes Meditieren. Sie und ihresgleichen kennen es nicht anders.
Ein Raubvogel kreist in der Bläue. Er kann sie nicht sehen. Sie ist von Kirschblüte umhüllt.
Am Rasenstreifen rennt ein Wiesel entlang. Es schluchzt. Es hat seinen Namen vergessen.
Ein Häher kreischt und verrät. Er sollte lieber Nüsse knacken. Ein penetranter Häher, er kreischt.

In der Ferne unterhält sich ein Kuckuck mit einem Star.
Ein anmutiger Wortwechsel.
Eigentlich ist noch Fastenzeit und das Schweigen gebietet dem Kuckuck, noch nicht zu Wort zu kommen. Aber dieses Mal hört der Kuckuck nicht auf das Schweigen, das ihm gebietet, seine Stimme erst im Mai zu erheben. Sie plaudern, der Star und der Kuckuck, über eine erhebliche Entfernung hinweg über Dinge, die wir sowieso nicht verstehen.

Die Fliege sitzt noch immer in ihrem Kirschblütenraum, schlummernd und meditierend zugleich, hochkonzentriert als schwarzer funkelnder Punkt in dem Weißrosa, das aufblüht um sie herum.
Ein ungesehenes Geschöpf mit strumpflosen haarigen Beinen und opalisierenden Flügeln, die auf dem Rücken ordentlich angelegt sind. Spinnen und zurückkehrende Schwalben umdräuen den Raum, den sie in Erinnerung an ihre Konzentrationen durchfliegt. Die hautigen Flügel schwirren. Ihre Konzentration ist wie ein Kompass, ihr verblassender Schlummer stellt das Navi bereit. Sie fliegt und schwebt der Reife der Kirschen entgegen. Sie setzt den herabfallenden Früchten nach und findet auf dem Boden, wo sie vergären, das alte Spiel mit den Wespen wieder.

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