auf Orpheus

Lange hat man nichts mehr von ihm gehört, weder an Sage noch an Gesang. Wie ein Spuk erinnern im Schilf Geräusche, die der Wind zwischen den Halmen hindurchzieht. Aus einer Drehorgel, die an manchen Tagen im Jahr durch die Einkaufspassagen gerollt wird, kommt eine schwache Erinnerung.
Aus dem Hades wallen Schwaden hervor und wandern als Nebel durch unser Land. Auch Eurydike lässt sich nicht sehen. Schreit oder schreitet sie aus der Tiefe hervor? Ist sie längst schon wieder zurückgekehrt?
Schatten fliegen übers Land. In steilen Schluchten sammelt sich Tau zu Bächen und reißenden Strömen. Gletschermassen quellen aus künftigen Eiszeitaltern hervor und schmelzen rasch ab, weil wir es immer noch ziemlich warm haben zur Zeit und die Änderungen des Klimas recht unstet verlaufen.
Trunken vom Gesang, der in ihren Brüsten schlummert, kommen Zugvögel aus Süden zurück. Ihre Flügel schlagen den Rhythmus, den Basso continuo dieses Sommers. Ihr Blick ist nordwärts gerichtet, ihr Flug von Gesängen beflügelt, die voll von Unter- und Überwelt sind.

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