es wird erzählt

Jemand hat einmal gesagt, dass die ungeschriebenen Geschichten der Wahrheit wahrscheinlich näher kommen als die geschriebenen. Und dies sei, heißt es weiter, der elementare Irrtum der Fundamentalisten, dass sie sich an Schriftdokumenten festmachen, statt ans werdende Wort zu glauben. Dies nämlich liegt nicht in einem fernen Einst zurück. Es fällt im richtigen Augenblick ein, kann sich unvorhergesehen ergeben, um als Impuls einzutreten, der spürbar oder unmerklich weiterführt.
Solch rettendes Einspringen findet sich in den Schriften selbst angesagt. Es lässt sich heraushören aus dem Schweigen, in das sich alles Geschriebene hüllt. Es spricht aus der Stille zwischen den Zeilen. Ein unbeschreibliches Moment, eine aus dem Geschriebenen gelegentlich hervortretende, darin nicht gebundene Kraft.
Unter diesem Aspekt sind die geschriebenen Erzählungen zu verstehen als Glossen, als Randbemerkungen zu einer nur flüsternd tradierten Wahrheit. Diese selbst geschieht womöglich nie und ist nur im Ungeschriebenen geschehend, von dem dann und wann erzählt wird.

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