Zeitfraß

Alle Dinge leiden unter Zeitfraß. Eintagsmotten mehr als ein Granitbrocken, der in einem Gletscher eingebacken ist. Das Bild vom Zahn der Zeit ist eine starke Untertreibung.
Hat Zeit unterschiedlich Appetit? Ist sie wählerisch, geschmäcklerisch?
Einen Blitz verschlingt die Zeit, kaum dass er erschienen ist. Für einen Donner braucht es schon etwas länger.
Gewiss, sie kaut auch wieder, breit hingelagert wie ein gewaltiges Rindvieh.
Die Verdauungsgeräusche gehen wie elektromagnetische Stürme durchs Universum. Kein Messgerät, weder Auge noch Ohr vermag ihr dunkles Rauschen aufzuzeichnen.
Zeit frisst und entschädigt dadurch, dass auch sie sich fressen lässt.
Du verspeist meine Zeit, ich verspeise deine Zeit. Davon lebt alles Zusammensein, jede Geselligkeit, jedes Leben.
Zeitessen nährt und macht dabei hungrig. Es unterhält einen Hunger nach immer größeren Zeitbrocken, nach abgesprengten Ewigkeiten. Man wird nie wirklich satt. Aber man lebt davon. Am Ende stirbt man daran.

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