Speicher

Die inzwischen im Internet kursierende und gespeicherte Datenmenge ist unvorstellbar.
Die Masse der Speichermedien, alle zusammengenommen, ist sicherlich groß, aber gering im Hinblick auf die Fülle aus Informationen, die sie enthalten.
CDs, Sticks, externe Festplatten und was es da noch so gibt, bilden einen neuen, einen wachsenden Gegenstandsbereich. Es handelt sich um Dinge, die von Menschen aufgeladen und abgefüllt sind. Doch ganz neu ist das wiederum nicht, eher die Spitze eines durchs Universum treibenden Eisberges. Sie knüpfen an Hervorbringungen an vom Typ der ägyptischen Pyramiden. Auch sie energetische Akkumulationen und Akkumulatoren zugleich, darin den derzeitigen Speichermedien vergleichbar. Zusätzlich gehören sie noch ins Reich der Symbole, die nach dem gleichen Prinzip energetischer Ladung funktionieren.
Sie stauen Energie und geben sie bei Gelegenheit ab.
Im Reich der präsentablen Symbole zeigt sich zwar schon eine Batterie, auch ein Akku da und dort, aber die aktuellen Speichermedien haben noch keine vergleichbar umrissene Gestalt angenommen.

Vielleicht liegt das daran, dass sie im Grunde den ganz gewöhnlichen Dingen immer ähnlicher werden. Sie erinnern daran, dass es sich ja auch bei Knöpfen, Fingernägeln, Zähnen, Hüten und Knoten um archivierte Informationen handelt, um Behältnisse, Träger oder eben Medien vielleicht unerschöpflicher, jedenfalls unberechenbarer Datenmengen. Diese Ähnlichkeit mit dem (scheinbar) geläufigen Fundus geschaffener und gewordener Dinge, schärft und weitet den Blick für den Botschaftscharakter, der in jedem Einzelding, in jeder Einzelheit steckt.
In ihrer Menge bilden sie ein Universum, eine Fülle, ein ‚Pleroma‘.
Sie konstituieren eben die Welt, in der wir leben.
Mit geschärftem und geweitetem Blick die Nahrungshaltigkeit dieser ganz gewöhnlichen, allzu gewohnt gewordenen Speichermedien erkunden und entdecken. Heraufladen, was in ihnen steckt, was Generationen und Äonen vor uns in ihnen versteckt haben. Die Technik des Speicherns ist keine von uns erfundene, sondern übernommen aus Natur und Geschichte. Der Geschichte zugehörig ist auch die Empfehlung, die ein chassidischer Rabbi vor zweihundertfünfzig Jahren gab:
„Whenever you look at a physical thing, you should contemplate that you are also looking at the imminent Divine Presence. In this manner you are serving God through smallness.“ *
Da der Mensch bekanntlich nicht vom Brot allein lebt, wäre die Welt, und sei es auch nur als mentale Speisekammer, in jedem Augenblick neu zu entdecken. Die dazu erforderliche Technik des H e r a u f l a d e n s  zu erlernen sind wir gerade dabei.

 

*) Baal Schem Tov, nach R. Aryeh Kaplan, The Light Beyond, 32

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.