sonst

Sprache ist ein Medium, ein Wesen, in dem wir uns nahezu fortwährend bewegen, bei Tages- und Kunstlicht, manchmal auch noch im Traum. Dennoch – oder deswegen? – wirft sie immer wieder Rätsel auf und legt die, wie zur Untersuchung, vor die Füße.
Bei den Nachforschungen im Bedeutungsfeld des hebräischen Wortes für (das) Nichts = en
auf die Bemerkung gestoßen: „überall, wo in der Schrift (Bibel) en steht, so ist auch ‚ja‘ darunter begriffen.“ *
Ein schwer zu verdauender Happen.
Im hebräischen Bibeltext kommt en an die fünfzig Mal vor
Doch wenn es um eine so hyperkomplexe Angelegenheit geht, wie sie im Nichts gegeben ist, oder vielmehr entzogen und entrückt bleibt, darf man auf Überraschung gefasst sein.

Es sei an die Einsicht erinnert, dass die Konfessionen in ihren Sätzen und Lehren auseinandertreiben, dass aber die mystische (vielleicht auch die praktische) Erfahrung, die sie erlauben – oder zuweilen gleichsam widerwillig ermöglichen – die Gläubigen als Entrückte wieder zusammenbringt.

Es muss, mit anderen Worten, in der Sprache, die wir in diesem Augenblick bewohnen, die uns zwar immer wieder stolpern und stottern lässt, insgesamt aber doch einen verlässlichen und vertrauten Umgang ermöglicht, gerade im Umkreis von Nichts Erscheinungen geben, die denen korrespondieren, die im Talmud benannt worden sind im Hinblick auf en.
Denn sonst …, ja sonst wäre ja auch das hebräische Beispiel umsonst und verbliebe in einem Teilbereich, wie zum Beispiel die östliche These, dass im gegenwärtig gegebenen Seinsraum jedes Etwas eigentlich Nichts sei.
Ja, alles und jedes Sonst wäre in diesem Fall –
wäre ansonsten
umsonst!

*) Midrasch rabba zu Klagelieder, n. Jacob Levy, Wb. über die Talmudim und Midraschim, Bd. I, 67

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