fremd im eigenen Hause

Anstöße zum Karikieren geben Fremdheitserfahrungen, die im Körperlichen und mit dem fremden und eigenen Leibwesen gemacht werden. Gleichzeitig muss gleichsam außerhalb dessen, was Freud als Körperselbst bezeichnet und das mit der umfassenden Sphäre des organischen, also leibgebundenen Unbewussten zu tun hat, eine Position, eine Art Aussichtspunkt gewährleistet sein, ein Beobachtungspunkt, der beim Karikieren eingenommen wird. Beim Karikieren bleibt der Gegenstand, das Gegenüber nicht unbedingt im Auge, aber er bleibt Mittelpunkt einer Aufmerksamkeit, die sich ihm annähert, ihn umkreist und in Distanz geht, wie ein Bildhauer, der eine Plastik erstellt.
Oft ist es die befremdlich gewordene, ans Ungeschick verlorene Leiblichkeit, Körperlichkeit, Dinglichkeit, die zum Karikieren anregt oder provoziert.
So erteilt manche Karikatur die Lehre, du meinst, dich oder dein Gegenüber zu haben oder zu kennen oder zu sein, aber nichts da, erst im Straucheln landet man auf dem unebenen Boden unvermuteter Tatsachen.
Und auf beiden Beinen zugleich.

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