die Rede vom LOGOS, Hebr. 4,13

„und kein Geschöpf ist vor ihm unsichtbar, sondern alles bloß und aufgedeckt vor den Augen dessen, mit dem wir es zu tun haben.“ Elberfelder
„und kein Geschöpf ist verborgen vor ihm, vielmehr alles bloß und offengelegt vor den Augen dessen, von dem wir reden.“ Windisch, Kommentar Hebräerbrief
„Il n’est pas de créature non manifestée devant elle (= la parole):
tout est nu, saisi au col, devant ses yeux, lui dont la parole est à nous.“ Chouraqui
„Everything is uncovered and laid bare before the eyes of him to whom we must give account.“ NIV
„und kein Geschöpf ist vor ihm unsichtbar, vielmehr ist alles entblößt und aufgedeckt vor seinen Augen, dem wir Rede zu stehen haben.“ Züricher

kaì ouk éstin ktísis aphanès enopion autou, pánta de gymnà kaì tetrachelisména tois ophtalmois autou, pròs hón hemin ho lógos

Hier ist die Rede vom LOGOS im Verhältnis zu allem Geschaffenen, zu allen Geschöpfen.
Wie verhält sich der LOGOS, also das WORT, aus dem alles erschaffen wurde, jetzt zu seinen Geschöpfen?
Die Überzeugung, dass derselbe LOGOS, also dasselbe göttliche WORT, aus dem anfangs alles entstand, sich als Christus Jesus erneut mit der Welt befasst, dass es derselbe LOGOS sei, ist Bestandteil christlicher, vor allem johanneischer Logos-Theologie.
Dieser Kernpunkt wird hier aufgenommen, ein wenig gedreht und gewendet.
Die in den Versen zuvor behandelte Eigenart des LOGOS, seine Schärfe, seine Durchdringungsfähigkeit, seine Unwiderstehlichkeit, wird mit einem zweischneidigen Schwert verglichen.
Um den martialischen Aspekt zu tilgen, der dem Schwert nun einmal anhaftet und den Wunsch nicht still werden lässt, es in ein Friedenswerkzeug, in eine Pflugschar zum Beispiel, umzuschmieden, sähen wir es lieber als Skalpell, wenigstens als ein operatives Instrument, das im Dienst von heilsamer Veränderung steht. Schließlich sollte das Gotteswort ja nicht mit Drohgebärde, als Racheverheißung unter die Menschen gekommen, Fleisch geworden sein.
Vom buchstäblich zweischneidigen Schwert, das wir Furchtsamen über unseren entblößten Nacken oder Kehlen gezückt imaginieren sollen – wirklich keine g u t e Botschaft oder Empfehlung – geht die Rede über zu Augen, denen nichts verborgen bleiben kann. Anspielung auf Kindheitsängste: die Augen als Organe einer allsichtig-unnachsichtigen Kontroll- und Strafinstanz?

Es ist im gesamten Abschnitt eigentlich nur der letzte, im griechischen Original aus fünf Worten bestehende Satzteil, der die Leser dann doch noch aufatmen lässt: der LOGOS, das durch Christus personifizierte WORT, spricht auf einmal an, wendet sich uns zu:
La parole est à nous. Das ist es, wovon wir reden. Damit haben wir es zu tun.
Eine menschliche, tröstliche, vermittelnde Wendung.

Allerdings ist auch hier ein Großteil der Übersetzer ohne Erbarmen geblieben mit sich, mit uns, mit der Barmherzigkeit Gottes: sie bleiben dabei, dass es bis zum Schluss darum geht, Rechenschaft abzulegen, to give account. Denn der Herr ist ein harter Herr. Er fordert auf Heller und Cent zurück.

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