beobachtet in diesen Tagen

Hornissen sind königliche und furchtlose Krieger.

Sie fürchten keine Spinnen und verfangen sich nicht in deren Fallen. Im Sturzflug fliegen sie an und holen die in den Netzen hängenden Kadaver verwegen heraus. Sie erbeuten ohne Klauen und Zähne.

Ein paar letzte Schwalben flattern durch die spätsommerlich bewegten Lüfte, unter geballten Wolken am Waldrand. Fangflug und Sturzflug, wie man es von Fledermäusen kennt, und ebenso still. Als wären sie bereits auf der Suche nach dem Schwarm, der sich irgendwo sammelt und nach Süden abgeht. Ihr Schwarm. Wird er sich wirklich sammeln und wenn wann wo?

In ihrem Flattern, das ohne jedes Geräusch abgeht, ist die Sehnsucht, hinter die Schneeberge der Alpen zu kommen, bereits wach und spürbar geworden. Ein Drängen. Aber auch die Anhänglichkeit an diesen Sommer, der so unmerklich abgleitet, ist noch da und hält sie im Flug fest, lässt sie zwischen Aufbruch und Bleiben innehalten.

Über einem weiten und breiten, vor dem Wald gelegenen Stoppelfeld sind einige zu sehen. Wie aus nichts stoßen weitere hinzu. Wird das der Schwarm sein? Die aus den gelben Stoppeln aufsteigende Wärme trägt ihnen Mücken zu und erinnert an die Regionen, die vor ihnen liegen und an Tage, die sie nun hinter sich lassen. Aber erst einmal werden Mücken gefangen, gemeinsam, man übt sich ein auf den Schwarm, auf die Reisegesellschaft, ohne die es nicht geht.

Von einem großen Greifvogel, der bedrohlich und gemächlich zugleich quer durch den Schwarm segelt, lassen sie sich nicht in Verwirrung oder Unruhe bringen. Erst als er, im Wald angekommen, seinen dreifachen heiseren Schrei ruft, sind sie für Augenblicke verschwunden, aber auch sogleich wieder da, in lebhaftem Schwirren überm Feld.

Naturbeobachtung an einem Spätsommertag mit aufgetriebenen Wolkenbäuchen. Als die Sonne vorübergehend verschwindet, gibt der Beobachter seinen Standort auf, um dem Beispiel des großen Vogels zu folgen: erhobenen Hauptes geht er durch einen tanzenden Mückenschwarm. Er ist wie Luft, die zwischen ihnen hindurchzieht. Es kümmert sie nicht.

An diesem Tag geschieht wieder einmal vieles zugleich: eine Raupe beeilt sich über einen asphaltierten Feldweg. Ein Weberknecht verliert sein Leben im Schaum, in einem Berg aus schillernden Seifenblasen, die irgendjemand hier ausgekippt hat. Ein Autowäscher aus Barsinghausen vielleicht, das jetzt über den Horizont tritt und eigentlich Berserkburg heißt, weil es wie eine Festung da liegt und dahinter schwarz und bedrohlich: der Deister. Die Zinnen sind deutlich zu sehen: es sind die Spitzen von Flügeln, in denen der Wind dreht und Strom produziert.

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