Tagebucharbeit

Es interessiert, was das sein könnte: Tagebucharbeit.

Ob es das überhaupt gibt, als –arbeit.

Oder ob besser gefragt werden sollte nach Tagearbeit, nach Verarbeitung von Tagen.

Denn Buch – heute, was ist das eigentlich noch, im Übergang zu ganz anderen Lesarten, zu völlig  buchunabhängigen Lektüren?

Um den Begriff der Tagearbeit aufzunehmen: in dem hier gemeinten Sinne erfolgt sie meistens unter Tage, in vorgefunden, häufig allerdings verschütteten Stollen oder frisch gegrabenen Gängen.

Große Einsturzgefahren drohen hier. Decken und Wände sind nur provisorisch abgestützt.

Da ist weder auf fremde und sachkundige, noch auf eigene und vielleicht fachkundige Tagearbeit Verlass.

Eine Region, wo man leicht um kommt, unter Tage, unter Druck und so weiter.

Tagebucharbeit ist ansatzweise Lebensbucharbeit, das lernt sich rasch und bleibt trotzdem flüchtig, vielleicht weil es ein religiöser oder poetischer Gedanke ist, jedenfalls ansatzweise geflügelt wie einige Wesen aus dieser Ecke, und schon wieder davon.

Lebensbaumarbeit hingegen, ein manchmal mühsames, manchmal riskantes Hangeln und Handeln, das bleibt. Eine Bewegung in weit ausgewölbten Geästen, Kronen und Stämmen, die in ihrer Gesamtheit den Lebenswald bilden. Ein in sich sehr unterschiedliches, vielleicht nicht einmal zusammenhängend zu denkendes organisches Gebilde. Mangrovenhaine wachsen ins salzige Meer hinaus, Lorbeerhaine und Korkbuchenhaine entwickeln sich zu ganz anderen Landschaften. Palmen wachsen auf die trockensten Erdplätze zu. Zitronenbäume kommen vorwiegend gepflanzt vor. Aber auch in der Zitrusplantage lässt es sich schön und gedankenverloren spazieren, unangefochten von den Planquadraten und ökonomischen Gesichtspunkten, die zur Entstehung dieser Haine beigetragen haben.

Im Verweilen und Umhergehen bleiben sie eher beiläufig.

Dasselbe gilt für den Saft, der aus den gelben Früchten in Flaschen gepresst und in die Regale der Märkte gestellt wird. Dasselbe gilt für die Zitronensäure, die heute so gut wie immer synthetisch hergestellt wird, als Grundstoff, der vorkommt, wo man ihn gar nicht vermuten würde.

Mit dem Lebenswald eng zusammenhängend, aber ihm nicht gleich, ist die Lebenswaldgrenze. Sie verläuft in unterschiedlichen Gebirgshöhen, je nach Süden oder Norden tiefer oder höher.

Hier sind, das stimmt schon, die Bäume manchmal verkrüppelt, von niedrigem Wuchs, sperrig und krumm. Im Winter haben sie von der Kälte zu leiden, von den Schneemassen, die auf ihnen lasten, zu allen Zeiten von den Stürmen, die in der Höhe besonders umstritten und ungestüm sind.

Aber auch in diesen Bäumen bewegen sich Kletterer, Menschen, die diese Regionen sogar suchen, wie die Eskimo Landstriche oder gefrorene Küsten, wo wiederum Zitronenhaine und sogar noch Pappelreihen, wie sie das nördliche Niedersachsen durchziehen, so gut wie unbekannt, schlicht unbeheimatet sind.

Allen Kletterern in den ausgesetzten Regionen, egal ob Wald oder Stein, Baum- oder Raumgrenze, sei an dieser Stelle ganz herzlich gedankt!

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