behindert

Gäbe es keine Beschränkungen, gäbe es keine Kunst. In ihr geht es immer wieder ums Überschreiten, um die Schaffung von Grenz-Übergängen. Kunst ist etwas für Beschränkte, die gegen ihre Beschränkung, der sie inne geworden sind, anlaufen, um daraus loszukommen.

„Es ist immer die Behinderung, die zur Kunst führt. Wer alles versteht, braucht keine Kunst. Nur wer nichts versteht vom Leben und vom Sterben, versucht sich einen Reim darauf zu machen.“[1]

Dabei sind es nicht einmal Erfahrungen oder Einsichten, die zu Kunst hinführen.

Denn „wer, gerade noch einmal dem Tod und der Verzweiflung entkommen, weiß hinterher schon, was Tod und Verzweiflung heißen?“[2] Und doch muss davon etwas bleiben, ein unverarbeiteter, ein unverdaulicher Rest oder Bodensatz. Ist das der Stoff, aus dem Kunst wird?

„Bleibt Literatur nicht immer ein Rätsel? Und sind es nicht die Gedanken, die aus dem Text hervorgehen, die der Leser sich machen sollte, und nicht die ausgesprochenen Gedanken des Dichters, die Literatur ausmachen?“[3]


[1] Margit Schreiner, Die rohe Kunst, in: Schreiben, anders? Hg. Peter Assmann, Linz 2015, 24

[2] Margit Schreiner, Die rohe Kunst, in: Schreiben, anders? Hg. Peter Assmann, Linz 2015, 24

[3] Margit Schreiner, Die rohe Kunst, in: Schreiben, anders? Hg. Peter Assmann, Linz 2015, 24

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1 Antwort zu behindert

  1. sylvia sagt:

    wer alles versteht, braucht keine kunst. welch ein gedanke; aber ja, es ist etwas daran. wer alles versteht hat alles unter kontrolle, im kästchen, im sack. kunst geht andere wege irrwege umwege wahnsinnswege hintenrum- und vornerumwege, mäandert wandert in welten, die nicht zu kontrollieren geschweige denn zu beherrschen sind. erst später vielleicht kann der da hinein verwickelte verstrickte mensch eine ordnung hineinbringen. aber um das ausgesetzte kommt er/sie nicht herum, wahrscheinlich. ja, ein rätsel oft, manchmal. aber auch lauschen schweigen zwiegespräch. antworten?

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