verweilen

Die Jahre, in denen er angekommen ist – hat er sie ausgesucht oder hat man ihn hineingestoßen, wie einen zum Hängen Verurteilten, dem der Schemel unter den Füßen weggestoßen wird?

Andere Welt. Die Ewigkeit, vermutet man, ist voll von solchen anderen und Anderswelten.

Warum sind uns innerhalb dieser Unendlichkeit ausgerechnet diese Jahre zugewiesen, welche die Spanne zwischen Tod und Geburt mehr schlecht als recht ausfüllen?

Es ist doch so viel Platz in Zeit und Ewigkeit. Warum müssen es gerade diese Jahre und Jahrzehnte sein, mit ihren Einflüssen und Witterungen, mit ihren Hexenschüssen und Gichtbrüchen, kalten Kriegen und bösartigen Wirtschaftswundern irgendwo und überall auf dem Globus?

Das Sozialprodukt fällt ab und die Börsen ziehen an, die Finanzkrisen fressen sich durch die Goldreserven und Arbeitsmärkte hindurch.

Warum sind, fragt sie, diese leidigen Jahre ausgerechnet mir, ausgerechnet uns, meinen ahnungslosen Kindern, den dementen Eltern zugewiesen?

Stanislaw Lec hat es auf den Punkt gebracht:

„Meine größte Seinsfrage ist, warum ich ausgerechnet für diese Jahre eingeplant worden bin, wo doch die ganze Ewigkeit zur Verfügung stand.“[1]


[1] Lec, Unfrisierte Gedanken, 285

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1 Antwort zu verweilen

  1. sylvia sagt:

    ausgerechnet – nicht ausgerechnet – egal, die rechnung geht nie auf. in einer anderen zeit sein, in einer anderen welt sein, das wünscht sich manche/r. wie aber rechnet es sich dort, wann und wo auch immer es sein mag? immer bin ICH dabei (oder vielleicht auch nicht?) und das wird es immer kompliziert machen. aber dennoch: die frage ist gut: warum ausgerechnet ich ausgerechnet jetzt? was kann ich gerade dieser zeit geben und/oder sie mir? und wer ist eigentlich ich? und wann und wo? danke für die frage…

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