im Wald

Vögel verständigen sich über ihre Stimmen. Sie brauchen keine Worte, keine Sprachen.

Sie sprechen und rufen einander von weit her zu. Manchmal sind sie so weit auseinander, dass es für den Menschen, der unten im Wald steht, sich anhört wie Selbstgespräch oder Einzelgesang. Aber Vögel sind, von wenigen Ausnahmen abgesehen, sehr gesellig. Daher sind es meistens Unterhaltungen über viele Wipfel hinweg.

Stünden den Vögeln wirklich Worte zur Verfügung, sie hätten dafür kaum Verwendung. Papageien picken sie manchmal auf, aber bloß zum Spaß und Zeitvertreib. Beim Kuckuck hört es sich so an, als spräche oder tönte er immer in demselben zweisilbigen Wort. Aber der Schein trügt. Seine ganze Stimme vermag er in diesen Doppellaut zu legen und variiert, je nach Stimmung, tausendfältig. Aber das bekommt kein Mensch mit. Man muss schon ein sehr feines und erfahrenes Gehör haben, um auch nur einen Kuckuck von einem anderen unterscheiden zu können. Jeder Kuckuck bringt aus dem Nest, in dem er ausgebrütet worden ist, eine spezifische Erfahrung und Prägung mit. Die Vogelfamilien, in denen er adoptiert worden ist, können zu den Zaunkönigen oder zu den Krähen zählen. Aber all diese unterschiedlichen, aus den Leihelternschaften erworbenen Identitäten fließen in diesen kurzen zweisilbigen Ruf ein und geben dem Kuckuck über seinesgleichen eine viel reichere Auskunft als beim Menschen Passfoto, Daumenabdruck und genetischer Code zusammen. So viel vermag kein Wort menschlicher Sprache zu fassen, kein Okay und auch kein Amen.

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