aus Gesten

Aus Gesten einen Katalog zusammenstellen.
Beginnend, weil sie am meisten Platz wegnimmt, mit der Geste des Lebens.
Was ist über sie festzustellen?
Sie spielt auf ein Ende hin, das uns Sterblichkeit, eine Art endlichen Ausganges vorgaukelt. Es gibt den Verdacht, dass sie – ohne unser Wissen – sich in ständiger Antwort befindet, herausgefordert vom bloßen Anschein dieses gewaltigen Universums, das sie nach allen Seiten hin und aus allen Richtungen her bestürmt, ins Wogen geraten lässt, umstürzt und wieder aufrichtet. Sie – von wem war da eben die Rede? – sie ….
Erfinden wir neu, wer sie ist, wer sie sein könnten. Nehmen wir eine Art an, weil eine Art ein Einziges sein kann, aber auch viele Gleichartige. Nehmen wir an, sie tummeln sich in der Geste des Lebens, eines bewegten Lebens, eines blumigen Getümmels mitten zwischen den Sternen. Ein glänzender, astrophysikalischer Ort: zwischen Milchstraßen und Monden, Gas und Staubwolken.

Das Lebendige, in sich zusammengefasst wie eine wandernde Bienenwolke, immer in Antwort. Einmal angesprochen oder bewegt, angestoßen und in Bewegung versetzt, und seither immer in Bewegung, Erwiderung, Entsprechung und Antwort. Es hat kein Außen und kein Innen. Es schwebt, ohne ein Unten, auf dem alles lastet, ohne ein Oben, an dem alles befestigt ist wie an einem Haken.

Wenn die Geste des Lebens erstarrt, wie die Geste des Malers zuweilen zum Ölgemälde erstarrt, dann sieht man die Leiter des träumenden Jakobs vor sich, und die erscheinenden Engel treten von drinnen nach draußen und von draußen nach drinnen. Und das Lebendige dazwischen geflochten wie eine Wand.

9. August 1995

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