meine Gedanken

Manchmal werden meine Gedanken blind.
Ich sehe sie nicht mehr.
Die Sonne strahlt als Riesengestirn vom Himmel.
Rundherum ist es tiefblau.
Aber ich sehe sie nicht mehr, meine Gedanken.
Wohin bin ich geraten, dass meine Gedanken mich nicht mehr finden und ich sie nicht mehr sehen kann?
Sehen ist nicht alles.
Anfassen, gepackt, ergriffen werden ist vielleicht sogar mehr.
Ich packe meine Gedanken ein, in eine Kiste verstaue ich sie, banne sie in Zeilen und Zeichen.
Auf Zeiten verlegt kommen sie angerollt, wie Gepäckstücke im Flughafen,
auf Rollen und Fließbändern kommen sie angerollt.
Verspätet kommen sie an und verfrüht und verpassen mich, der immer und niemals rechtzeitig ist. Sie spielen zwischenzeitlich mit Worten. Sie verpassen mir was.

Meine Gedanken und ich – ein Kapitel für sich in dieser Geschichte, die immer noch ungeschrieben, vielleicht auch ungeschehen geblieben ist.
Sie fliegen mir aus Büchern zu, die ich nie gelesen habe.
Buchdeckel und –rücken werden durchlässig für die Irrfahrten, die sie zu mir nehmen.
Bücher, in denen es um Raupen geht und in denen Schmetterlinge in wunderschönen Mustern und Farben herumflattern. Pfauenaugen, Admirale, Albatrosse in weiß und rot, Schmuckfalter, an Wände gehängt.
(Sie stehn für Tapeten …)
Meine Gedanken beschäftigen mich.
Untereinander werden Bilder ausgetauscht.
Dekorationen, Proben, Muster tauchen in Konversationen auf, die von irgendwoher einfädeln. Sie führen weit hinaus in die Welt, die vielleicht ein Labyrinth, vielleicht auch ein Irrgarten ist.

Ich sehe sie nicht, aber sehne mich nach meinen Gedanken.
Sie müssten mich eigentlich kennen.
Ich wittere sie an ihrem Geruch.
Sie sind zahlreich, wie Schafe, wie Mückenschwärme, wie Windbeutel in irgendwelchen Konditoreien der Welt.
Sie verzehren sich und werden verzehrt.
Sie sterben aus und werden als andre geboren.
Auch ich sterbe aus.
Auch ich werde woanders geboren.
Vielleicht bist du ich und
ich vielleicht du und
derjenige
den hier ein eigen
sinniges Schicksal wieder
zur Welt bringt.

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