nachasch

Nachasch, das ist im hebräischen Urtext des biblischen Schöpfungsberichts die Schlange, vom Wortgeschlecht her eigentlich der Schlange. Nirgendwo steht in der Schrift, er/sie/es, kurzum nachasch sei aus dem Garten Eden verwiesen worden. Hier gibt es einen gravierenden Unterschied zum explizit und frühzeitig exilierten Urmenschenpaar. Unterm Bannstrahl des Schöpfergottes hat nachasch damals, im Anschluss an die Erkenntnisbaumaffäre, Arme und Beine eingebüsst. Der aufrechte Gang ist allein den Menschen verblieben. Das bildet seither sein heimliches Ärgernis. Infolge der Aburteilung bewegt er sich bäuchlings und schleichend durchs Gelände. Als Terrain und Territorium ist aber für alle Schlangen immer noch – oder vielmehr immer wieder – Eden, der Garten, geblieben ist. Unverändert. Denn weder Mauern noch feuerschwingende Engel setzen ihrer Gangart ein Hindernis. Sie winden sich überall durch, passieren unter den Füßen der Wächter ebenso wie durch Fugen und Ritzen, die nicht wahrnehmbar zwischen den Steinen im Mauerwerk sind.

Dieser praktisch ungehinderte Hingang und Hergang zwischen Paradiesesgarten und gewöhnlicher Welt, wogegen die Nachkommen der Protoplasten ausgesperrt sind (und zugleich eingesperrt, wenn man so will), hat wiederum in diesen, in Adams und Evas Nachfahren einen heimlichen Neid erzeugt. Der nagt und zehrt bis heute im menschlichen Innern, in unser aller
Innerstem:
Eine überall auf der Welt anzutreffende Abneigung gegenüber Schlangen, eine Mischung aus Hass und Phobie, die immer wieder religiöse Fürsprecher und Verstärker, theologische und moralische Rechtfertigungslehrer auf den Plan gerufen hat, entspringt solcher Wurzel. Eine Fülle von Ressentiments – sie gehen auf die anscheinend unerträgliche Ahnung zurück, dass die Schlange auch heute noch in der Krone des Lebens- und des Erkenntnisbaums sich ringelt, wenn ihr danach ist; dass sie sich ungesehen, jedenfalls ungestraft zwischen den lidlosen und schlaflosen Blicken der Wächter hindurchzustehlen vermag. Dass sie also auch jetzt noch Lüsten frönen kann, von denen wir Menschen abgeschnitten sind oder die wir uns zum Teil schon früh verbieten mussten, aus Angst, andernfalls von den strafenden Blitzen der Wächter getroffen zu werden.

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