spätmittelalterlicher Spruch

Dem Engel entkommen
den Schätzen entronnen
in Trance versponnen
Valet Schrecken und Tod. 

Analyse dieses Denkspruchs:
er spielt auf spätmittelalterliche Leidenschaften an und auf Vorstellungen, die daraus entstanden oder zurechtgezimmert worden sind. Blockhütten, gotische Dome, das ist alles gezimmert aus Steinen und Holz und Gedanken.

Der entkommene Engel meint vielleicht den Tod oder die Todesangst,
die bei solchen Erscheinungen eintritt.

Oder gemeint ist  Schrecken, der von überall ausgehen kann.

Schrecken bildet den Übergang zur Trance, die einem Tod immer wieder sehr nahe kommt.

Trance ist Vortod oder Durchgang zwischen Todesvorhöfen.

Auch die sind überall.

Schätze bilden einen noch größeren, gleichsam geronnenen Schrecken.

Gold, Tresore, das sind alles schreckliche Bunker, seinerzeit eingegraben
und nur durch Schächte und Gebirge zu erreichen.
Immer unter Lebensgefahr wegen der schlaflos wachenden Drachen.

Schrecken und Tod fassen alles in einem blendend weißen Leichentuch zusammen.

Zum Abschied winkt der mittelalterliche Verfasser den beiden noch einmal zu,
Schrecken und Tod, die zwischen sich eine Art Transparent in die Höhe halten.

Er entfernt sich, schräg vornüber gelehnt,
als müsste er gegen einen Orkan angehen,
oder wie von einer immensen Beschleunigung gepackt,
oder hingerissen von dem jähen Drang, in die entlegenste
Ferne vorzustoßen.

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