Verdacht

jeder Verdacht ein Vorurteil
ein Verdacht auf Verdacht

jeder Verdacht ist verdächtig
Vorurteile machen verdächtig

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Solagen [ausgesprochen: solaschen]

Fussspuren Trittspuren
verklungene Geräusch von herabtropfendem Wasser
ein blindes Huhn irrt dazwischen
ein Hauch von Vertrauen mit ihm
dankbares Geschöpf
du bist in der Ahnenlinie
von Reptilien und Vögeln

hast in kleinen Gärten das Erdreich durchsucht
unter Bäumen mit gewölbten Kronen
alles auf einem schieren Dosendeckel gepflanzt
Kompost
aus Grasschnitt und Essensabfällen gehäuft
von den Tischen der hannöverschen Tafeln
wo auch Vorhänge wehen aus geöffnetem Fenster heraus
und Schneenebel von den Dächern herabfliegt
behandelte Vorgärten mit Straßen dazwischen
Dinge bewegt
Gefühle bewegen
alles bewegt sich und steht wieder still
wie im Theater
schwimmen Zebrafische durchs Glas.

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beim Fadenspiel


wie Louise Bourgeois die Spinne, so definiert Germaine Richier die Ameise als charakteristisch weibliches Lebewesen; ungewöhnlich für eine Ameise: sie ist mit einem Fadenspiel befasst, in dem sie den Faden zu geometrischen Figuren auszieht.

Bild: Germaine Richier, Ameise, Bronze, 1953

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Haare ziehen und ähnliche Unsitten

Landesmuseum Hannover

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im Widerstreit

Haare ziehen gilt nicht –
gilt auch für Linkshänder!

Bildquelle: Landesmuseum Hannover

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im Strandkorb

im Strandkorb weggesackt –
Besäufnis im Stil der alten Niederländer

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sonderbare Bilddetails

 

In vielen, vielleicht sogar in den meisten Bildern gibt es Einzelheiten, kleine Szenen, die für sich allein genommen äußerst befremdlich erscheinen. Gesondert aus dem Bildzusammenhang erzählen sie sonderbare, mitunter abstruse Geschichten:

„Flugversuche im weiten Nachthemd“

„Kenn ich den?
ist er’s oder ist er es nicht?“

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sehr dunkel

sehr dunkel

sehr dunkel
so wird es beschrieben
Chinesen haben ihm Stockschläge verabreicht
versehentlich
heißt es

die schrecklichen Häupter der Drachen
unheimliche Schattentheater
Spiele leichtfüßiger Papiermarionetten
der siamesische Kasper darf dort nicht fehlen
mit kegelförmig zulaufendem Hut
Gesang um die Augen
tappt durchs Dunkel japanischer Kalligraphien
No und Dschigong
eigentlich wäre es wert
einen Versuch
sagen sie
auf den Stuhlreihen Plätze zu nehmen
verwackelte Bilder anschauen
ungebügelte Wäsche anziehen
frisch geschleudert
aus stahlgeschwenkten
Maschinen
die einäugig und in hellen Scharen rotieren
strikt abgesetzt vom oben
beschriebenen Dunkel

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Kind als Wechselbalg

„Der Junge ist hässlich. Er ist noch viel hässlicher als auf diesem oder überhaupt jedem Photo, das ich im Internet aufgestöbert oder mit der guten Kamera, die ich mir geborgt, selbst aufgenommen habe …“ schreibt Navid Kermani in “Ungläubiges Staunen – Über das Christentum“[S. 14]. Die 4 Aufnahmen, die der Autor in seinem Buch zeigt [S. 16/17], liefern einen allerdings schlagenden Beweis für seine Sicht.

Die Photos machen darauf aufmerksam, dass das Christuskind aus dem Bode-Museum in Berlin, um 1320 in Perugia entstanden, keineswegs die einzige Darstellung des Kindes Jesus ist, das durch seine Hässlichkeit bestürzt.
Wir haben uns im Landesmuseum Hannover auf die Suche gemacht nach ähnlich unförmig geratenen Darstellungen des Sohnes der Maria [und Gottes].

Hier ein doppelter Fund, allerdings aus einem späteren Jahrhundert.

Tröstlich und verwirrend zugleich, dass einmal nicht nur Jesus, sondern auch dem Täufer Johannes als Kind vonseiten des Künstlers ein vergleichbares Missgeschick, vergleichbare Unbilden widerfahren sind.

Wenn man davon ausgeht, dass diese Entstellungen nicht vom Künstler g e w o l l t waren, gibt es unseres Erachtens wenigstens  e i n e  plausible Erklärung für dieses Phänomen:

man hatte damals zu kleinen Kindern – und überhaupt zu Kindheit – kein so entwickeltes Verhältnis wie wir heutzutage. Und da es kein V e r s t ä n d n i s  für dieses Lebensalter gab, konnte eine „kindgerechte“ Darstellung auch gar nicht gelingen.

 

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Überwinterungsgärtnerei Am Großen Garten

hier wachsen die Bäume bis unters Glasdach

ein draußen vom Sturm umgerissener Baum mit verletztem Wurzelwerk soll chirurgisch versorgt werden Bäume tragen Früchte und Büsche blühen vor der Saison

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