Kind als Wechselbalg

„Der Junge ist hässlich. Er ist noch viel hässlicher als auf diesem oder überhaupt jedem Photo, das ich im Internet aufgestöbert oder mit der guten Kamera, die ich mir geborgt, selbst aufgenommen habe …“ schreibt Navid Kermani in “Ungläubiges Staunen – Über das Christentum“[S. 14]. Die 4 Aufnahmen, die der Autor in seinem Buch zeigt [S. 16/17], liefern einen allerdings schlagenden Beweis für seine Sicht.

Die Photos machen darauf aufmerksam, dass das Christuskind aus dem Bode-Museum in Berlin, um 1320 in Perugia entstanden, keineswegs die einzige Darstellung des Kindes Jesus ist, das durch seine Hässlichkeit bestürzt.
Wir haben uns im Landesmuseum Hannover auf die Suche gemacht nach ähnlich unförmig geratenen Darstellungen des Sohnes der Maria [und Gottes].

Hier ein doppelter Fund, allerdings aus einem späteren Jahrhundert.

Tröstlich und verwirrend zugleich, dass einmal nicht nur Jesus, sondern auch dem Täufer Johannes als Kind vonseiten des Künstlers ein vergleichbares Missgeschick, vergleichbare Unbilden widerfahren sind.

Wenn man davon ausgeht, dass diese Entstellungen nicht vom Künstler g e w o l l t waren, gibt es unseres Erachtens wenigstens  e i n e  plausible Erklärung für dieses Phänomen:

man hatte damals zu kleinen Kindern – und überhaupt zu Kindheit – kein so entwickeltes Verhältnis wie wir heutzutage. Und da es kein V e r s t ä n d n i s  für dieses Lebensalter gab, konnte eine „kindgerechte“ Darstellung auch gar nicht gelingen.

 

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