Nornen

Die Schicksalsgöttinnen der germanischen Mythologie heißen Nornen. Es sind drei an der Zahl, die meistens im Weltenbaum sitzen und die Zeit warten, wahren – vielleicht auch vertrödeln  und verträumen..

Eine heißt Urd. Sie ist zuständig für alles, was geworden ist oder wurde. Daher ihr Name. Eine andere heißt Werdandi, was auf Gegenwart anspielt, die immerfort im Begriff ist, zu werden.

Eine dritte heißt Skuld. Sie weist darauf hin, dass wir der noch ausstehenden Zeit verpflichtet sind.
Vom Namen her ist sie sogar die Ursache alles Werdens und Gewordenseins.
Sie drückt ein Sollen aus, das allen Vorgängen und zeitlichen Prozessen zugrundeliegt oder sogar einwohnt.[1]

Skuld birgt einen Doppelsinn, in althochdeutsche Sprache = verschulden, verdienen.[2]

So bezieht sich Skuld auf das noch Ausstehende, noch nicht Eingelöste an Leben und Zeit.

Es kommt darauf an, Ausstehendes und Aufgegebenes einzulösen, genau genommen sich selbst einzulösen,
um Auslösung und Erlösung aus dieser offenen Zeitform zu erlangen.

Die Lebensweisen sagen: das Sollen in ein Wollen überführen, das wäre (sich) einlösen um (sich) auszulösen.

Zukunft tritt, durch Skuld personifiziert, als Forderung heran, als eine stets noch offene Verpflichtung.

Offen meint hier offen im Sinne von unbeglichen und im Sinne von noch nicht bestimmt.

In Gegensatz zu unserer Neigung, Zukunft durch Vorhaben und Terminsetzungen zu bestimmen (terminieren), bleibt erst einmal völlig offen, ob ein dann/dennoch eintretendes Widerfahrnis, sei es beglückender, sei es betrüblicher Art, verschuldet oder verdient ist.
Kein Ereignis ist spruchreif.


[1] vgl. Schuld in Wolfgang Pfeiffer, Etymologisches Wörterbuch des Deutschen, s.v.

„Schuld bezeichnet zunächst eine Verpflichtung oder Leistung, die einem obliegt, dann speziell die Verpflichtung zu einer Geldzahlung, die aus einem Darlehen erwächst und steht sowohl für entliehenes, zurückzuzahlendes Geld als auch (vom Gläubiger her gesehen) für verliehenes Geld, Guthaben.“

[2] Wolfgang Pfeiffer, Etymologisches Wörterbuch des Deutschen, s.v. Schuld

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