insgeheim

„Der Wald ist heimlich. Das Wort gehört zu jenen unserer Sprache, in denen sich zugleich ihr Gegensatz verbirgt.

Das Heimliche ist das Trauliche, das wohlgeborgene Zuhause, der Hort der Sicherheit.

Es ist nicht minder das Verborgen-Heimliche und rückt in diesem Sinne an das Unheimliche heran.

„Wo wir auf solche Stämme stoßen,“ im Wald der Sprache, „dürfen wir gewiß sein, daß in ihnen der große Gegensatz und die noch größere Gleichung Leben und Tod anklingen, mit deren Lösung sich die Mysterien beschäftigen.“[1]

Ähnlich verhalten sich zu einander Ding und Unding, Unwesen und Wesen: im Gegensatz steckt die Gleichung. Unmenschen, Unbilden, Unfall, ungefähr, Ungeheuer, ungeschlacht, Ungeziefer, ungläubig.

Im Ungleichen verschränken sich gleich und ungleich; ungerade ist nicht gerade, aber noch lange nicht krumm. Auch Unkräuter sind Kräuter.  Unmut ist nicht Feigheit. Auch Unsterne, désastres, zählen unter die Sterne. Unsummen. Unwetter. Unwille. Unzeit und Unzahl.


[1] Ernst Jünger, Der Waldgang, 1995, 50

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