Tatsache und Beweis

Eine Tatsache ist kein hinlänglicher Beweis, am wenigsten für sich selbst. Nichts kann sich selbst beweisen. So wird im französischen „Vocabulaire de la Philosophie“ [1] gefragt: « La preuve peut-elle consister en une simple présentation de fait? » „Kann ein Beweis in einem schlichten Tatsachenerweis bestehen?“.
Nein.
Das Auftischen allein genügt nicht, sofern nicht methodisch, didaktisch oder eben rhetorisch aufgetischt wird. Dekor und Ornament, also ästhetische Elemente, ein eleganter Vortrag tragen dazu bei, einen Beweis annehmbar zu machen, indem sie ihn gefällig erscheinen zu lassen.

Bei einem Beweis handelt sich um mehr als um ein bloßes Vorzeigen (deswegen erwiesen sich schon in den Tagen Jesu Wunder und Zeichen als unzulänglich). « La preuve est toujours un raisonnement : jamais la présentation d’un fait n’est en soi une preuve ; c’est simplement le moyen de l’établir. »[2]

„Der Beweis ist immer ein Vernunftschluss: niemals ist die Präsentation eines Faktums als solche(m) ein Beweis; das ist lediglich das Mittel, ihn aufzustellen.“

Also: Fakten sind Mittel, um einen Beweis zu etablieren, aber nicht der Beweis selbst.


[1] André Lalande, ed. „Vocabulaire technique et critique de la Philosophie, 1932, s.v. preuve

[2] André Lalande, ed. „Vocabulaire technique et critique de la Philosophie, 1932, s.v. preuve

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