in ihrem Element

„Was das Meer sei, darum darf man am wenigsten die Fische fragen. Nur höchstens, dass es nicht von Holz ist, erfährt man von ihnen.“[1]

Entsprechendes gilt für die Vögel in der Luft. Sie würden antworten, sie sei nicht aus Wasser, die Luft.

Auch von Holz sei sie nicht. Aus Holz seien die Bäume, in denen sie nächtigen und ihre Brut großziehen. Deswegen könne die Luft nicht von Holz sein.

Wir haben den Feuersalamander gefragt, was ist das, das Feuer?

Es ist nicht aus Stein, hat der Salamander erwidert, es ist niemals aus Stein, auch wenn es aus dem Feuerstein springt, wenn du ihn anschlägst.

Wir haben den Maulwurf gefragt: Maulwurf, sag uns, Erde, was ist das?

Sie ist gewiss nicht aus Holz, kam aus dem Dunkel die Antwort, sie fängt niemals Feuer, sie wird überall hell, wo wir graben, sie braucht Wasser, das von oben herabfällt, wie wir. Seitlich anflutendes Wasser ist ihr verhasst. Aber du, denke nach und frag nicht so dumm, der du eigentlich weißt, dass du ganz besonders aus Erde bestehst, aus einer kritischen Mischung von Wasser und Feuer, aus ziemlich viel Luft und wirbelndem Staub und dann und wann aus der Helligkeit, aus dem Licht, das wir Maulwürfe unter Äckern und Wiesen, unter Graswurzeln  und Schaumkraut ergraben.


[1] Hugo von Hoffmannsthal, Poesie und Leben, in: Der Brief des Lord Chandos, 32

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