auf hoher See

Als Kind findet man Spaß daran, auf einer Drehscheibe immer im Kreis zu rotieren. Ab einem bestimmten Alter wird einem davon schlecht. Im Erleben der Zeit verhält es sich womöglich umgekehrt. Das orientierungslose Driften auf dem Zeitenmeer, nirgendwo Festland, nirgends im Horizont eine fest gegründete Insel, kein aussagekräftiges Echolot, kein Kompass, kein Fadenkreuz zur Hand. Davon hätte einem früher schwindelig werden können, seekrank wäre man geworden, seasick. Inseln gibt es natürlich schon hin und wieder, aber allesamt schwimmen mit ihren hohlen Bäuchen über die Wasser dahin. Sie nehmen sogar Schiffbrüchige auf. Das Recht auf Aufnahme wird den Gescheiterten so wenig verweigert, wie den Fremden früher das Gastrecht. Denn viele der See-Leute, vielleicht sogar alle haben eine ähnliche Erfahrung mit sich gemacht, eine Erfahrung, die sich nicht so leicht im Meer versenken lässt sondern immer wieder hervortreibt.

Vielleicht unterscheiden sich die Einzelnen heute am stärksten im Grad ihres Selbsthasses und ihrer Selbstachtung, die sie auf die Akzeptanz anderer oder auf deren Verwerfung übertragen.

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