in Parallelwelten

Parallelwelten sind keine Erfindung der Science Fiction.

Es gibt sie.

Nicht irgendwo, sondern in den Städten, in denen wir wohnen.

Auch in der Stadt, in der du gerade wohnst, gibt es sie, vielleicht unzählige.

Auch Hannover ist eine Stadt, die inzwischen aus lauter Parallelwelten besteht.

Das kommt, weil Deutschland ein Einwanderungsland ist.

Die allermeisten sind gut integriert, weil: sie leben unsere Werte.

Das hält unserer aller Ängste niedrig.

„Aber es gibt in manchen Stadtteilen regelrechte Parallelwelten.“

Dort lebt man andere Werte.

„Klar schürt das Angst.“

Die Angst grassiert.

Es grassiert die Frage: lebe ich in einer regelrechten Welt? oder lebe ich bereits oder schon wieder in einer Parallelwelt? Nützt es, dass ich mich an meine Werte klammere, sie hochhalte, dass alle sie sehen? oder verschärft das bloß die Angst in den anderen Welten, in den regelrechten wie in den unregelrechten?

Parallelwelten – daran kann es auch liegen – Parallelwelten als solche flößen Unsicherheit und Befürchtungen ein. Warum? Weil sie eben nicht wirklich parallel sind zu den regelrechten und regelmäßigen Welten, von denen behauptet wird, dass es sie gibt, kanonische Welten, ich weiß nicht so recht, vielleicht gibt es sie gar nicht.

Und diese nicht wirklich parallelen Parallelwelten: Sie sind so unheimlich, weil sie niemand durchschaut und von ihnen niemand so recht weiß, ob es sie überhaupt gibt. Sie kommen aus der Science Fiction und wären womöglich überfordert, wenn ihnen geboten würde, in unserer Gesellschaft Wirklichkeit anzunehmen. Man weiß es nicht. Weiß man’s?

Jens Spahn, CDU-Mitglied, hat es auf dem Parteitag der CDU in Köln gesagt und in einem Interview[1] bekräftigt, das er unserer Hannoverschen Allgemeinen Zeitung gegeben hat: „Regelrechte Parallelwelten – es gibt sie in manchen Stadtteilen. Klar schürt das Angst.“

Was für Welten stellt sich Jens Spahn vor?

Wo muss gedreht oder gearbeitet werden, um sie abzubauen, die Ängste, die Befürchtungen, das Misstrauen?

Sollte es gar am Regelrechten liegen?

Oder empfiehlt es sich eher, die hochgehaltenen Werte ein bisschen runterzudimmen, insbesondere die so genannten Leitkulturstandards ein wenig zu mäßigen, zu öffnen, damit man dann besser über den Tellerrand hinausschauen kann?

Interviewer: „Deutschland ist ein Einwanderungsland. Brauchen wir ein klareres Grundbekenntnis der Moslems zu unseren Grundwerten?“

Jens Spahn: „Die allermeisten, die ins Einwanderungsland Deutschland gekommen sind, sind gut integriert und leben unsere Werte. Aber es gibt in manchen Stadtteilen regelrechte Parallelwelten. Klar schürt das Angst (…) Es darf auf unsere Werte keinen Rabatt geben, nur weil jemand aus einer anderen Kultur oder Religion kommt.“


[1] HAZ v. Montag, 1. Dezember 2014, Nr. 280, S. 2

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