im Bann

im Bann

Mit dem Wort bannen verbindet sich seit früher Kindheit die Vorstellung eines ausgestreckten Armes. Von dem gleichfalls ausgestreckten Zeigefinger dieses Armes geht, einem Blitz vergleichbar, ein Strahl aus.

Dies ist ein Bannstrahl.

Als ich später mit den Abbildungen aus der Sixtinischen Kapelle zusammenkam, berührte mich der vergleichsweise milde Kontakt zwischen der Hand Gottes und dem Finger des auf seine Erweckung hinträumenden Adam.

Keine Entladung, wie man sie von Gewittern her kennt oder von elektrischen Kurzschlüssen.

Der aus dem Zeigefinger hervorschießende Bannstrahl ist von starrer und dauernder Art.

Eine Art Lichtgeleise.

Das rührt sicher daher, dass ich als Kind die Worte Bahn und Bann noch nicht so recht auseinanderhalten konnte.

Als wir ein wenig größer und ungebärdig geworden waren, haben wir ein Spiel gespielt, das „gebannt“ hieß.

Es lief ohne Blitze und Bannstrahlen ab.

Aber jähes Erstarren spielte darin eine große Rolle.

Das war uns aus den Märchen bekannt, wo Menschen und Tiere durch einen Zauber in Steine verwandelt werden und sich nicht mehr von der Stelle fortbewegen können, auf welcher der bannende Zauberspruch sie getroffen hatte.

Sie waren an den Ort gebannt, festgemacht.

In eine Erstarrung versetzt ähnlich der, in die Dornröschen samt Koch, Küchenjunge, Hofstaat und Stubenfliege magisch versetzt worden war.

Die erste Begegnung mit dem Wort Banner hinterließ keinen geringen Schrecken.

Ich malte mir nun diese Figur mit dem ausgestreckten Arm in voller Größe aus.

Doch glücklicherweise zeigte sich bald, dass es sich dabei nur um ein Stück besticktes, bemaltes oder bedrucktes Tuch handelt, das im Wind flattert.

Husaren, Schwadrone, Heerscharen führen solch ein an einer Stange wallendes und wogendes Stück Fahnentuch mit sich.

Es ist der Fahrtwind, den die voranpreschende Kavallerie oder voraneilenden Heerscharen erzeugen, der das Tuch in Wallung und Dünung versetzt.

Bannen impliziert eine Macht. Macht hat mit Magie zu tun.

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