EPIKUR

Seine Spur ist verloren gegangen.

Die Fußstapfen sind auf die Jahrzehnte, Jahrhunderte und Jahrtausende verteilt.

Ihr Zusammenhang ist wie der einer Handschrift, die sich auf Zettel, Notizen, fliegende Blätter, auf Taschentücher und Taschenbücher verteilt.

Überall findet ihn wieder, wer ihn aufrichtig sucht.

Er hat Bekenner gehabt, aber auch Leugner, wie er selbst leugnete, je einen Lehrer gehabt zu haben, in dessen Fußstapfen er trat.

„Es gibt auch im Christentum“, wo zunächst niemand sie vermuten würde, „eine epikureische Gesinnung“.[1] Und „der Christ in der Tat nur eine Art Epikureer“.[2]

Das gute Leben schwebt allen vor, Christen wie Epikureern.

„Epikur hat zu allen Zeiten gelebt und lebt noch.“[3]

Das Verhältnis von Genuss und Glückseligkeit, von hesychia und eudämonia ist noch nicht erschöpfend behandelt worden.

„Ein Gärtchen, Feigen, kleine Käse und dazu drei oder vier Freunde – das war die Üppigkeit Epikurs.“[4]

Nicht nur Genuss und Glückseligkeit, auch Genügsamkeit und Glückseligkeit gehören zusammen.

Epikur hat eine Glückseligkeit imaginiert, die gut in die Gottesreichvorstellungen der Christen hineinpassen konnte.

Kennen Sie Epikur?

Schätzen Sie Epikur?

Nie gehört.

„Ausdrücklich erklärt Epikur, dass keine Art der Lust an sich selbst zu verwerfen sei, wohl aber manche Lust um der Folgen willen zu meiden. Der Begriff eines an die Qualität der Lust geknüpften Wertunterschiedes, wonach die eine als edel, die andere als minder edel oder unedel zu bezeichnen wäre, findet im epikureischen System keinen Raum.“[5]


[1] Nietzsche-Register, Richard Oehler, „Epikur“

[2] Nietzsche-Register, Richard Oehler, „Epikur“, 94

[3] Nietzsche-Register, Richard Oehler, „Epikur“, 94

[4] Nietzsche-Register, Richard Oehler, „Epikur“, 94

[5] Ueberweg, 282

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