Charakterprofil Satan

„Vom Streifen durch die Erde komme ich“, antwortet Satan auf die Frage Gottes: „Wo kommst du her?“. „Vom Streifen durch die Erde und von der Wanderung durch sie“, Hiob 1, 7 (Übersetzung Leopold Zunz).

Man mag darin die Rastlosigkeit erkennen, zu der früh schon das Geschlecht Kains verurteilt worden sein soll.

Aber man kann darin auch den Entdecker- und Pioniergeist sehen, der menschliches Forschen und Experimentieren voranträgt.

In diesem Streifen und Schweifen, Wandern und Streunen liegt eine merkwürdige Ziellosigkeit. Worum geht es?
Gewiss nicht darum, sich den Materien einzuschreiben, dauerhafte Spuren zu hinterlassen. Das ist nicht Satans Sache.

Flüchtigkeit und Unstetheit bilden die rasch verschwindenden Streifen, die Satans Streichen hinterlassen. Eine vorübergehend aufschäumende und phosphoreszierende Kielspur.

Sobald er sich davon gemacht hat, kehrt die Glätte des Meeres zurück, von einer ruhigen Dünung gehoben und gesenkt.

Er tritt unter vielen Namen und in vielerlei Gestalt auf, sichtbar wie unsichtbar, spürbar oder unmerklich.

Satan ist ein Schalk, sagen die einen.
Ein Versuch, den Bösen Trieb irgendwie verständlich, wenn nicht schon dingfest zu machen.
Ein Schlunz, ein Schuft, ein Schalk, ein Schlitzohr, ein Schelm, dabei stets der ‚böse‘ Trieb, auf den wir angewiesen sind, wie es in der jüdischen Überlieferung heißt, um Kinder zu zeugen, um Geschäfte zu machen, um Häuser zu bauen, um die eigene Haut nicht zu Markte zu tragen …, Midrasch r. zu Gen. 9

Satan oder der Böse Trieb, den die Rabbinen im Talmud als das einzig existierende wirkliche Böse gelten lassen, Chagiga 16 [1], ist – vom Namen her verstanden – einer, der „Hindernisse in den Weg legt“.[2]

Als Kraft, die den Eintritt des Gottesreiches immer wieder unterbricht und das von den Gläubigen ersehnte Ende der Welt hinausschiebt, kommt er bei Paulus ins Spiel.

Satan bewirkt durch Knüppel, Gruben, Schlaglöcher und andere Hindernisse, dass wir schnurstracks, auf kürzestem Weg durch die Welt kommen. So verhindert  er gerade Wege, zwingt zu Umgehungen, macht, dass wir in Kurven und Schlangenlinien, in Serpentinen und Krümmungen durchs Leben fahren.

Abweichungen, die wir hin und wieder bedauern, Aufenthalte, die in die Quere kommen.
Und nichtsdestotrotz, tamen & aph (lat. dennoch & hebr. doch) – liegt darin nicht auch die Würze säkularer Existenz?


[1] n. Salcia Landmann, Jüd. Weish. aus drei Jahrtausenden, 139

[2] Gesenius, Hwb. über das AT, s.v. sin/thet/nun

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