Wasserwand

Das Wasser steht vor uns.

Es steht wie eine Mauer, eine gläserne Wand.

Es flutet, hebt sich und senkt sich, als würde es atmen.

Eine kolossale senkrechte Wand. Sie bleibt stehen.

Sie beult sich ein und beult sich aus.

In den Beulen erscheinen Delphine und heben an, zu sprechen.

Papageienfische in allen Farben des Regenbogens tauchen auf und stecken ihre Mäuler aus der Wand hervor,  um die Worte der Delphine zu wiederholen.

Nicht ganz ohne eigenen Witz und Verstand.

Eine Krake steckt ihren langen, mit Saugnäpfen ausgestatteten Arm aus der Wassermauer hervor, rollt ihn schneckenförmig ein und zieht sich wieder zurück.

Wenn die Dämmerung aufkommt, steht die aus Wasser gebildete Wand immer noch.

Ein Phosphoreszieren durchkämmt sie.

Das ist das Meeresleuchten, das in den warmen Nächten an den Rändern der Ozeane entlangwandert und heimsucht.

Der Ozean atmet.

Er atmet an dieser osmotischen Mauer, die tief bis in den Abgrund hinabreicht, bis in die untersten Gründe hinabfällt.

Die Meere atmen.

Sie atmen ein und aus.

Zwischen ihren Atemzügen breitet sich Windstille aus.

Wir lieben das.

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