Geier und Reiher

Es gibt eine Stelle in einem indianischen Mythos: der Aasgeier hält die Hände an den Kopf. Sein Blick geht auf die Gefährten, die um die verkohlten Reste eines Feuers hocken. Sie haben eckige Steine zum Hocken herbeigezogen. Mit großer Schnelligkeit wandert die Mondsichel über ihren kahlen Häuptern hinweg, als müsste sie in dieser Nacht noch die Zeitwiese mähen. Ist es nicht zu dunkel dafür? Warte ich länger, sagt der Mond, kann ich nur noch als Ball durch das Gras rollen. Was soll, geschieht in dieser Nacht.
Aus einem verlassenen Haus auf einem Hügel kommt Licht. Auf einmal ist es da und leuchtet auf.
Die Geier verrenken ihre drehbaren Hälse. Der spärliche Flaum auf den Hälsen weht in dem Lufthauch, den die Drehung hervorruft.
Die Hände des Königsgeiers sind noch immer am Kopf, als müssten sie ihn halten, der ohne sie herabfallen könnte. Aber die Gedanken des Königs gehen zu Saturn. Sie springen kraftvoll über Abgründe und Fallen hinweg, die ein tückisches Omen zwischen hüben und drüben angelegt hat. Bei Saturn findet der König das Winzermesser, die Sichel, die er dem Mond reichen wird, dem voll in schimmerndem Rund aufgegangenen Mond. Damit wird dieser, im vollen Schimmer seines Angesichts, durch die Weinberge gehen und die Zeitwiese mähen, den Rasen, auf dem die Seligen golfen.

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