12. März

Heute haben wir den zwölften März dieses Jahres, einen ersten Sommertag. Ein Tag, eine Tagesgruppe, wahrscheinlich aus dem Juni oder dem Mai abgesprengt. Wenn es so weit ist, wird man sehen, von wo sie gekommen sind. Nun ist dieser Sommertag eingetreten in den März, am Rande der Iden, wie man früher gesagt hätte. Die Tulpenbäume lassen ihre Blüten aus den Knospen hervorbrechen. Ihr Rosa hebt sich von der Himmelsbläue ab wie die Wäschefarbe weiblicher Säuglinge von der männlicher.
Hyazinthen sind auch schon da – oder beinahe. Überall bricht zartes Weiß und zartes Grün aus den Büschen und Bäumen hervor. Eine Blütenwolke nach der anderen, eine lautlose Detonation neben der anderen. Schneeglöckchen schmelzen in der Wärme dahin, machen schlapp, wie weiße Lilien im Wüstenwind.
Einer von mehreren unwahrscheinlichen Tagen. Er verdient es, gemerkt zu werden, angestrichen im immerwährenden Kalender. Von diesem Tag, von dieser Tagesgruppe wird man noch hören, wenn die langen Schatten schon lange verschwunden sein werden, im Reich der Schatten vergangen und untergetaucht. Im Juni oder Mai wird man dann ihr Fehlen erleben, sie vermissen unter einem triefenden Schirm, in nassen Klamotten, die ein eisiger Wind bläht.
Davon haben die Tauben im Hinterhof so heftig gegurrt. Die Lücke im Mai oder Juni wird ihnen Schweigen auferlegen.
Auch die Singdrosseln haben im noch knochigen Geästen gesungen und verschiedene Koloraturen geprobt, schwarz wie im Scherenschnitt. Ein Zeichen: zum Teufel – unsern Gesang kann kein Wettersturz scheren!

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