nahe Ferne, ferne Nähe

Ferne und Nähe, räumlich wie zeitlich verstanden, ergeben ein Spannungsverhältnis in das sich vor allem die romantischen Dichter gerne begeben haben. Ihr Symbol war die Blaue Blume. Duft und Anmut der Blüte ergeben sich aus Nahbeziehung, die Bläue spielt auf eine Fernsicht an, in der das gerade eben noch zu Sehende in seiner Wirklichkeit verschwimmt und eintaucht ins Imaginäre, ins Reich der Wünsche und Erinnerungen.
Dort aber nimmt, was eben noch verschwommen und unscharf war, eine erstaunlich präzise Gestalt an. „Ach, in der Ferne zeigt sich alles reiner, / Was in der Gegenwart uns nur verwirrt.“ *
Was im aktuellen Moment vielfach getrübt und verstellt erscheint, zeigt erst aus der Ferne / in der Ferne seine deutliche Beschaffenheit. Zu dieser Klarheit mag auch eine verklärende Fernsicht und Betrachtungsweise beitragen, ein nachträgliches Zurechtrücken und Herausputzen, ein Idealisieren.

*) J.W. v. Goethe, aus „Torquato Tasso“

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