credo quia absurdum

Man könnte diesen berühmten und geflügelt gewordenen Satz das Credo des Tertullian nennen.
In seinen Schriften findet er sich als Einwand gegen die Hochschätzung, ja vielleicht Überschätzung der Vernunft im griechischen und römischen Denken. Er schlägt damit eine Bresche für den Neuen Weg, also für die christliche Religion, die er mit Intellekt und Leidenschaft verfocht.
Credo quia absurdum wirft ein Licht auf die Freiheit des Glaubens, der nicht gebunden ist an einen übereinkünftigen, bereits bestätigten Sinn. Er ist nicht verpflichtet auf Funde und Ergebnisse, wie sie der gesunde Menschenverstand oder eine praktische Vernunft heranschaffen und ‚beglaubigen‘. Glauben ist eine eigene, eine selbständige Weise des Erkennens. Glauben geht nicht methodisch vor. Denn das Gelände, in dem man sich bewegt, die Offenheiten, auf die Glauben sich zubewegt, sind ungesichert, oft auch unbegangen.
In diesem Gelände gibt es keine Geländer.
Grate und Felsbänder. Steige ohne Stiegen. Steile Abstürze, auf denen man nur rutschend und klimmend vorankommen kann.
Die Wirklichkeit steckt voller Unvorhersehbarkeiten. Darin bekundet sie ihren Widersinn.
Sie konfrontiert mit Unvereinbarem. Die im bewegten und bewegenden Leben wehenden und wirkenden Kräfte würden einen aus der Spur werfen, so es eine feste Spur gäbe.
So ist es gut, dass man sich nicht auf Gleisen oder festen Bahnen bewegt.
Glaube lässt die Paradoxien, die Absurditäten lebendiger und erlebter Wirklichkeit zu, die eine Vernunft, wenn sie Ihren Grundannahmen und Prinzipien treu bleiben will, verneinen oder verleugnen müsste.
Hier hat Glaube einen Spielraum, den sonst kein Wissen oder Einsehen hat.
daher heißt es zu Recht: Glaube ist blind. Er gleicht hierin der Liebe. Beide sind blind und haben darin ihr Auskommen, ja, ihre Stärke.

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