im melancholischen Blick

Ein kritischer Geist erzählt:
Weihnachten wird immer ähnlicher wie Ostern, die Temperaturen, das Wetter, die Witterung, die Leute bei sich zu Hause und auf den Straßen. Dieselben Geschäfte, die geschlossen sind oder gemacht werden. Dieselben Gesichter, österlich gestimmt oder weihnachtlich – es macht keinen Unterschied. Die Wünsche, die einem auf den Weg gegeben werden, stimmen auf Frohsinn ein: fröhliche Ostern, fröhliche Weihnachten. Die einen sagen fröhlich, die anderen froh. Auch da kaum ein Unterschied.
Woran das liegt?
Vielleicht gibt es eine theologische Erklärung: Christus, den die Christen für den Sohn Gottes halten, unterzieht sich einer Einverleibung. Im Krippenkind vermenschlicht er sich. Eine Stallgeburt, durch die eine Nähe auch zu den Haustieren angezeigt wird. Sie leben mit uns und wir leben von ihnen, sie geben Nahrung und Wärme.
Der österliche Christus ist der vom Tod auferstandene Menschensohn, der in das Reich der Himmel eingeht und sich dadurch und darin neu verkörpert. Das, was wie eine Geistwerdung erscheint, ist ebenfalls Fleischwerdung. Es sieht nur „von unten“ so wie eine bloße Geistwerdung aus.

In Geburt und Auferstehung wird jeweils ein neuer Leib angenommen. Wird es diese neue Leiblichkeit und Leibhaftigkeit endlich und wahr-haftig schaffen?

Es bleibt, dieses Moment der Unsicherheit, es bleibt bei jeder neuen Inkarnation, bei jeder weiteren Metempsychose. Die Einverleibten wissen nicht voraus, wie es ausgehen wird, ob und was danach sein oder werden wird.
Gerade die Eingeweihten wissen, dass sie den Ausgang nicht wissen können.
Es ist sich alles immer wieder sehr ähnlich, um dann wieder ganz anders zu sein.
Der Grund, von dem wir ausgehen, holt als Abgrund immer wieder ein. Das ist auch ein Grund für die wechselseitige Ermunterung zu Frohsinn und Fröhlichkeit.

Das ist es, was vorhin aus dem lauen Nieselregen zu Ohren kam, der auch in diesem Jahr wieder aus dem Tiefdruckgebiet herabrinnt, das das Land überzieht. Die Meteorologen sprechen bereits von der Weihnachtsdepression, wie die Kleingärtner von der grünen Weihnacht.
Das ist es – der blasse graue Geist aus den Wolken hat es eben erzählt.

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