leidenschaftliche Energie des Gedankens

Musil denkt vor dem Einschlafen nach über seine Art zu schreiben, z.B. Novellen. „Worauf es mir ankommt ist die leidenschaftliche Energie des Gedankens. Wo ich nicht irgendeinen besonderen Gedanken herausarbeiten kann, wird mir die Arbeit sofort zu langweilig; es gilt dies fast von jedem einzelnen Absatz.“ *
Im Verborgenen sind diese Gedanken schon längst da. Aber sie verstecken sich, anscheinend vorsätzlich. Sie verbergen sich im Naheliegenden ebenso wie im Fernstehenden. Es gibt kein verlässliches Rezept, ihnen auf die Spur zu kommen. Es kann ein Wort sein, das beim Einfallen eine Lawine aus und inneren Bilder lostritt. Eines reißt das andere nach sich oder führt es neben sich her, so dass das Schreiben kaum nachkommt. Doch kennt man auch eine Gemächlichkeit in der Art, wie sich etwas auswickelt, eine Langsamkeit, die sich nicht beschleunigen lässt, so wenig wie das Tempo zu bremsen ist.
Plötzlichkeit und Langwierigkeit kennzeichnen auch das Finden des Kern- oder Initialgedankens, auf dessen ‚leidenschaftliche Energie‘ es ankommt. Er zeigt sich in den unterschiedlichsten Modi, indem er gefunden oder erfunden wird oder sich ganz schlicht so im Bewusstsein des Autors einfindet, als wäre er eben mal vorbeigeschlendert und dabei ‚auf den Gedanken gekommen‘, hereinzuschauen.

*) Robert Musil, Aus den Tagebüchern, Ausw. Karl Markus Michel. Ffm.: Suhrkamp 1965, 35

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