Allegorie, Gleichnis, Symbol

Stilllebensujets ergeben sich von selbst. Der Blick sondert sie aus einer Vielzahl von Dingen, aus einer unbegrenzten Gemengelage. Hand und Zufall helfen nach, das Ensemble, das auf die Leinwand kommen soll, zu konstituieren.
Das Moment des Zufalls ist jedem Stillleben inhärent, wohnt dem Arrangement auch dort ein, wo es nur wenige Handgriffe sind, mit denen es zurechtgerückt wird. Man kann sogar sagen, dass diese Zufälligkeit mit zum Reiz der Stillleben gehört. Sie bringt die Eingriffe, das Platzieren der Objekte dadurch zum Verschwinden, dass diese Interventionen den Zufall mehr oder weniger absichtlich nachahmen. Absichtliche Positionierung und vom Zufall arrangiertes Beieinander verschränken sich bis zur Ununterscheidbarkeit ineinander.
Liegengelassenes, Stehengebliebenes, Hingestelltes und Umgestelltes kommen so miteinander zur Deckung, dass ein symbolisches, aussageträchtiges Ganzes zustande kommt. Es ist in erster Linie symbolisch oder auch allegorisch, erst in zweiter Linie erzählend. Allegorie ist so viel wie Sinnbild, Gleichnis. So werden die gezeigten, die sichtbar gemachten Sachen, die Bildelemente zum Gleichnis von Werden und Vergehen, von Tod und Leben, von Dauer und Kürze der Zeit, aber auch vom Aufeinanderprallen oder Ineinanderfließen von Natur und Menschenwelt usw.usf.
Die niederländische Epoche der Stilllebenmalerei hat für ihre Darstellungen eine bildhafte, in den dargestellten Gegenständen sich ausdrückende Geheimsprache, eine Art Hieroglyphik entwickelt. So steht der Krug für einen Aspekt der Krugsymbolik, Käfer und Insekten deuten auf das kurzfristig wimmelnde Leben der Kreatur, Knochen oder Schädel verweisen auf den Tod usw. Allerdings sollte man die Dinge wiederum auch nicht zu buchstäblich auffassen. Wir wissen gut, dass jedes Symbol vieldeutig und vielschichtig ist. Das gilt mit Einschränkung auch für die Metapher und Allegorie. Die Gegenstände sind nicht geradewegs in festgeschriebene Bedeutungen zu übersetzen. Sie transportieren immer viel mehr, als aus ihnen herausgelesen wird. Zumindest steckt in jedem Gegenstand die persönliche und biographische Erfahrung der Malerin/des Malers, die sich vielleicht in einem psychoanalytischen Prozess entpuppen könnte.

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