erstaunliches Wechselspiel

Novalis hebt in einem Aphorismus den in uns sich abspielenden Wechsel zwischen „absolutem Verstehen und absolutem Nichtverstehen“ hervor und kennzeichnet es als „eine stete innere Symphilosophie“. Zwischen unterschiedlichen, einander zugewandten Personen kann sie „eine philosophische Freundschaft genannt werden“. Dies Alterieren oder inwendige Oszillieren zwischen Polen, die durch ein evidentes Verständnis und ein (ebenso) opak bleibendes Unverständnis markiert sind, macht – so ungefähr Novalis – „das Leben eines denkenden Menschen“. *
Möglicherweise gilt hier wieder einmal das von Cusanus erstmals eingebrachte „les extrèmes se touchent“. Die Entgegensetzungen verbinden sich in einem symbolischen Kuss.
Und in der Tat – sind nicht beide gleich geheimnisvoll und rätselhaft, das Verstehen wie das Nichtverstehen?
Umso schöner, dass sie sich zur Freundschaft fügen und eine Gemeinsamkeit, eine gemeinschaftliche Zuneigung entwickeln, die nirgends sonst zu finden ist.

*) alle Zitatstücke aus „Blüthenstaub“,  Fragment Nr. 20

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