causa finalis

Die Philosophie nimmt dafür, dass etwas geschieht, unterschiedliche Bedingungen an.
Der heute gängige Kausalbegriff stützt sich überwiegend auf die causa materialis.
Sie liegt dem, was geschieht, gleichsam voraus oder wohnt ihm inne. Sie wird als Ursache angenommen in sämtlichen Naturprozessen, im physikalischen Geschehen, das sich im Universum abspielt.
Aristoteles hat eine differenzierte Kausaltheorie entwickelt.
In ihr gibt es auch die causa finalis, die Endursache, die gewissermaßen vom Ziel her wirkt, das eine Entwicklung (der Möglichkeit nach) hat.
So ist zum Beispiel eine Buchecker auf einen Baum, auf eine Buche hin angelegt.
Das ist ihr Ziel und Sinn, von dem her sie bestimmt wird, und zwar bis in die einzelnen Entfaltungsschritte.
In der physikalischen Dimension wird man in der Regel der causa materialis begegnen, deren Geltungsbereich die Naturwissenschaften inzwischen ausgeweitet und so generalisiert haben, dass die causa finalis praktisch zum Verschwinden gebracht worden ist.
Das hat zu tun mit der fortschreitenden Gleichbehandlung unbelebter und belebter oder sogar beseelter Materie.
Für lebendiges und beseeltes Geschehen sollte die causa finalis unbedingt wieder in ihre Rechte gesetzt werden.
Sie liegt zum Beispiel allen Vorgängen zugrunde, in denen ein Begehren die treibende Kraft abgibt.
So legten die scholastischen Gelehrten dem Werden auf allen Seinsebenen ein weitgefasstes Drängen oder Streben zugrunde, nahmen einen appetitus naturalis an, ein in allen Dingen, auch den unbelebten gründendes und sie begründendes Verlangen, das auf ein nichtbewusstes Ziel hinausgreift und hinausläuft.
Häufig wird diese Zielorientierung mit Zweckbezogenheit verwechselt. Daher sollte causa finalis nicht mit Zweckursache übersetzt werden.
Das bewegende Bestreben ist im Grunde zweck f r e i , das Ziel ist in eine Sinndimension eingerückt, in der Zwecke und Zweckmäßigkeiten keine Rolle mehr spielen.

In der Neuzeit – und heute erst recht – hat man die Annahme eines solchen, endursächlich motivierten dynamischen Beweggrundes als kruden Anthropozentrismus abgetan, bzw. als Nachhall animistischer Vorstellungen oder theologischen Denkens.
Doch vielleicht gehört die Wiederentdeckung und Rehabilitierung der causa finalis zu den missing links, zu den entbehrten Bindegliedern, die unserem Denken und unseren Wissenschaften total neue Horizonte eröffnen könnten, sozusagen als causa einer erkenntnis- und glaubenstheoretischen Grunderneuerung und epistemologischen Revolution.

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