Gedankendinge

Gedankendinge durchziehen lassen, nicht an ihnen vorbei, sondern durch sie hinweg.
In Strömen, in Schwärmen kommen sie herbei, gehen durchs Haus und sind schon wieder weg.
Schnell machen sie sich aus dem Staub, den sie in einem aufwirbeln. Wie anders: man ist aus Staub, eine Lehmhütte voll Staub aus allen Richtungen des Himmels.
Hat das nicht schon Hiob zu spüren bekommen?

Da sind sie, die ein Luftzug auffegt, wenn er durchgeht wie durch ein Haus.
Ein erhabener Augenblick in der Dunkelkammer, in der sie wie Glühwürmchen leuchten, wie die mirakulöse Saat eines großen Lindwurms, der das Universum durchleuchtet.
Man sollte froh sein, dass sie einem nicht gehören, diese Gedankendinge, dass sie bloß durchziehen und den Atem der großen Welt durch deine kleinen Kammern führen. Kein Gedächtnis könnte sich ihrer bemächtigen, vergebene Müh, auch nur Teile dieses Schwirrens und Schwärmens merken zu wollen.

Ein guter Durchlass, eine reibungslos funktionierende Schleuse zu sein, das ist gut und groß. Sie haben noch einen weiten Weg vor sich und eine lange Reise hinter sich. Davon erzählen sie im Durchflug. Sie bringen eine spürbare Ferne mit und geben eine Ahnung von der Weite, in die sie weiterziehen.
Aber diese Gefühle festhalten zu wollen ist Unfug.
Gedanken sind frei und Gedankendinge erst recht. Sie machen keinen Unterschied mit dir oder mir. Ihr Flug ist voller Lebensschwung. Davon machen sie Mitteilung. Aber auch das kann niemand sich merken.

Ein Trugschluss, zu denken, man dächte individuell und persönlich. Der Gang der Gedanken führt mitten durch dich hindurch, mit Dank und Gruß für angebotene Gastfreundschaft, die in der Aufmerksamkeit liegt.
Ein Kurzschluss, zu denken, dass das, was da denkt, Ich sei. Richtig, hin und wieder ist Ich, hin und wieder bin Ich, jedoch im einen wie im anderen Falle erdacht.

Wie Sterne in Schnuppen ausschwärmen und Galaxien Kometen als Botschafter senden, so kommen Gedanken und die Dinge, die sie vorstellen, unter die Leute. Sie kommen zusammen, so dass Ich dann denkt, es selbst sei, was da denkt. Aber auch das geht vorbei, mitgerissen von dem rauschenden und belebenden Strom, der mitten durch alles hindurchfährt.

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