Liebe

Liebe wird in der künftigen Welt alle und alles erfüllen. Sie wird auch dort sich verwirklichen, wo heute widrige Umstände sie noch hindern oder wo sie sich in Verhältnisse verstrickt, die sie pervertieren.
Auf die polemische Frage der Sadduzäer, wie das mit der Ehe in der Auferstehung sei, erwidert Jesus, dass dann nicht mehr geheiratet werden wird. „Wenn sie von den Toten auferstehen, heiraten sie nicht und lassen sich nicht heiraten, sondern sie sind wie die Engel in den Himmeln.“ Markus 12, 25

Liebe ohne Heirat, ohne Ehe lässt sich verschiedentlich verstehen, je nachdem, ob man den Bund der Ehe als Einrichtung auffasst, die der Sexualität Raum geben oder sie einschränken soll auf eben diesen Raum.
Der Verweis auf die Engel gibt keine konkrete Auskunft. Wie sieht die Liebe aus, die zwischen ihnen sein wird?
Sollte sie nicht ganz gewiss eine freie Liebe sein wird, eine endlich von den Banden, die sie hier unter uns einschnürt, befreite Liebe?
Wird man nach der Auferstehung einen anderen Begriff von Freiheit und freier Liebe haben als wir heute?

In der Sexualität unterliegt Liebe einem Bedürfnis, das sich als Sehnsucht, Verlangen, Begehren ausgibt. In diesen Erscheinungsformen ist sie nicht wirklich frei. Sie bleibt im Sexuellen, und zwar auch dort, wo es mutmaßlich frei praktiziert und ausagiert wird, gefangen in Zwängen, Nöten, Vorstellungen, aus denen sie nicht loskommt. Als sexuelles Bedürfnis ist Liebe Ausdruck einer starken Bedürftigkeit, also eher Artikulation eines Mangels denn eines Überflusses.

Es ist denkbar, dass in der künftigen Welt Liebe nicht mehr diesen nötigenden Bedürfnisaspekt haben wird. Freie Liebe bedeutet nicht nur Aufhebung der Form der Ehe, wodurch Liebe auf einen engen Raum eingeschränkt wird, sondern auch Aufhebung dieser Grundbedürftigkeit, dem sich das sexuelle Begehren verdankt.

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