Trägheit

Nach alter Lehrmeinung gehört Trägheit in den Katalog der kapitalen Laster oder Hauptsünden.
In neuerer Zeit wäre man gewiss nachsichtiger, allerdings ohne nachvollziehen zu können und zu wollen, warum gegen die Trägen ein so hartes Urteil erging.
Es ist nicht Mangel an Arbeitslust, mangelnder Fleiß, die hier so hart beurteilt worden sind, auch nicht eine Schwerfälligkeit der äußeren Glieder, eher wohl eine gewisse Unbeweglichkeit des Geistes.

Unter acedia – dies der alte Ausdruck für diese Hauptsünde – ist eine Indolenz, ein Unwille, ein Desinteresse und eine daraus sich ergebende Unbereitschaft zu sehen, sich auf Leben, auf Lebendiges einzulassen, aufzubrechen aus eigener Massenträgheit.

Wir würden heute solch eine verzweifelte Apathie und Teilnahmslosigkeit, wie sie uns aus schweren Depressionen bekannt ist – nicht als selbstverschuldet einstufen, sondern als Erkrankung der betreffenden, von acedia ‚betroffenen‘ Person.
Ein Abgeschnittensein vom eigenen Lebensnerv, die Trennung vom ‚élan vital‘, vom Lebensschwung, der alles Lebendige erfasst und durchdringt – das ist ja nicht willentlich herbeigeführt, sondern ein Widerfahrnis, wie der Dachziegel, der auf den Kopf fällt.

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