zu Spinoza

Man ist umgeben von Meinungen, Ansichten, Nachrichten, umzingelt und durchdrungen davon. Wer von gängigen und geläufigen Vorstellungen erfasst und durchsetzt ist, merkt es nicht einmal. Teilhabe an der Zeit und ihren Vorstellungen mengt sich mit Teilnahme an den Freuden und Leiden, die es in der Zeitgenossenschaft gibt. Die Anteile sind oft so unmittelbar, ragen so tief in einen hinein, dass ihre Verkörperung in einem als individueller Kern empfunden wird.

Diese Not- und Sachlage hat es schon immer gegeben. Die Philosophen haben sie konstatiert und in methodischer Selbstreflexion und Selbstbeobachtung auszumachen versucht, wo die Spielräume und Öffnungen für eine freie Entfaltung von humaner Subjektivität und menschlicher Gemeinschaftlichkeit, eine Solidargesellschaft aus unterschiedlichen Einzelnen, möglich sein und erschlossen werden könnten.

Für Menschen, die von den dogmatisch betonierten Fundamenten, die der religiöse Glauben in seinen reduzierten Formen zu bieten hat, abgekommen sind, zeigt sich alles und jedes in einer teils bedrohlichen, teils aber auch erregenden, nämlich Denklust und Tatendrang erweckenden Ungewissheit.
„In dieser Unsicherheit kann lediglich die Erkenntnis … Wert haben, die das Wesen durchschaut, und zwar geschieht dies mit Hilfe der Vernunft und der Intuition. (…) Die Vernunft betrachtet und erkennt die Notwendigkeit der Dinge als Weltordnung, und die Intuition stellt diese Erkenntnis ’sub specie aeternitatis‘ in den Zusammenhang mit dem Wesen Gottes.“*

Ein „Wesen durchschauen“, das wiederum ist ‚theoretisch‘ nur dann möglich, wenn das schauende Bewusstsein sich unverstellt zeigt und seinerseits durchschaut wird von dem, was es betrachtet, von dem, was es nicht bloß zum Gegenstand hat, sondern das ein Gegenüber ist und womöglich in ihm selbst versteckt.

An der glückenden Kooperation von Vernunft und Intuition ist viel, ist alles gelegen.
Wo die Vernunft nicht hinreicht, da muss die Intuition einspringen, damit Erkenntnis glücken kann.

*) Wilh. Hendel im Nachwort zu Benedictus Spinoza, Das Endliche und Unendliche, 306

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