im Begriff

In den Begriffen, die man sich von einer Sache oder Angelegenheit macht, sind diese auf den Punkt gebracht, kompakt geworden, verdichtet, verkürzt, gelegentlich durchs Zusammendrücken, das im Begreifen unvermeidlich liegt, allerdings auch ein wenig deformiert. Dennoch liefert der Begriff einen unverzichtbaren Ersatz für die Sache, um die es geht. Er ist stabil und gedrängt, allemal transportabler als die Sache selbst, gut zu merken, durch alle Arten von Suchmaschinen auffindbar.
Ein Begriff ist ein wenig starr, das schon, dafür aber haltbar wie eingedoste oder tiefgefrorene Lebensmittel. Nimm den Begriff in die Hand, nimm ihn ans Herz und siehe, er taut auf, verflüssigt sich, nimmt eine zwar nur scheinbare, aber doch anregende Lebendigkeit an. Das nährt.
Auf dieses Erwachen eines zuvor unansehnlichen und unsichtbaren Inhalts spielt die Redewendung an, jemand sei im Begriff das und das zu tun. Auf den starren Aggregatzustand bezieht sich die Formel ‚schwer von Begriff‘. Vergessen wir sie schnell und beschäftigen wir uns weiter mit der leichtfüßigen Schwebe, in die wir geraten, wenn wir im Begriff sind.
Dabei braucht man nichts weiter zu tun. Ohne Zutun kann man im Begriff sein. Einfach so: ich bin im Begriff.
Das kommt sehr bestimmt heraus, wie: ich bin im Bilde (darüber wurde im gestrigen Beitrag gehandelt).
Ich bin im Begriff. Mit dieser Redensart behaupte ich nicht, über eine gewisse Einsicht, über einen ausreichenden Überblick zu verfügen. Man halte die Aussagen nebeneinander: ich bin im Begriff, ich bin im Bilde, um zu erkennen, dass sie eigentlich gegen einander gehalten werden müssen.

Wenn jemand im Begriff ist, schlüpft er durch einen Zustand, wie ihn stehende Bilder geben, hindurch. Es ist wie im Sprung aus dem Startloch, das einer vielleicht eben noch mit der Ferse berührt. Oder wie der Zirkuslöwe durch einen brennenden Reif. Die Person insgesamt ist (oder hat) schon abgehoben, wie ein Flieger von der Piste.

Im Begriff – das macht diesen logischen und sprachlichen Typos/Topos aus – kann alles enthalten sein, und zwar auch das, was erst – was noch – im Werden ist.
So zeichnet sich Kommendes und Zukünftiges im Begriff ab, Existierendes und Gewesenes ohnehin. Ein Begriff, möchte man sagen, währt eine Ewigkeit und kann schon in einer Sekunde vorübersein, sobald man nicht mehr im Begriff ist, sondern bereits angelangt im Vollzogenen.
Dort findet sich Gelegenheit, erneut in Begriff zu geraten, im Begriff zu sein, rückblickend z.B.  zu untersuchen, was es mit dem Begriff auf sich hat, aus dem man gerade hervorgesprungen ist. Oder man schaut vorwärts, hebt die Hand, ist erneut im Begriff.
Man lasse sich nicht täuschen von vielerlei Begriffen, lasse sich nicht in tausenderlei Begriffe ein, sondern bleibe stets und beharre im einen, im gleichsam schicksalhaft zugewiesenen Begriff. Das genügt. In diesem Übergang ist alles Ausstehende enthalten.

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