Abwehrzauber

Die Landwirte, gerade auch die industrialisierten, lieben ihn mehr und mehr, das uralte Getreide der Mayas, den Mais. Sie pflanzen ihn maschinell und gut gedüngt in ausgedehnten Feldern. Sie schneiden ihn, sobald die Kolben voll ausgereift sind, zur Massentierhaltung nieder. Das anfallende Grünzeug wird siliert und an Biogasanlagen verfüttert, also an die grünlichen Kuppeln gleich nebenan.

All das erfolgt auf einer Stufe scheinbar konsistenter und marktorientierter Rationalität.

Doch insgeheim dauern irrationale Restbestände fort. Eine Art abergläubischer Bodensatz fordert weiterhin einen Tribut. Gewisse Installationen geben das zu erkennen. Sie sind unter Verwendung von Blechdosen, ausgebrannten Grablichten und Bindfaden entstanden. Hochprimitive, teils vorhandwerkliche Einrichtungen. Sie erinnern an Fetische, an windbetriebene Gebetsmühlen. Sie sind zur Schadenabwendung eingesetzt, gegen intrigante Feldgeister und nächtlich aktive Wildschweine, die in Horden einfallen könnten. Sie repräsentieren ein wenig das schlechte und verhasste Gewissen, das im Zuge der Durchsetzung industrialisierter Schweinemast und Massentierhaltung gewaltsam verdrängt, in die Peripherie der Maisfelder verschoben werden muss. Dort muss es einen archaischen Abwehrkampf gegen die schwarzen und borstigen Plage- und Rachegeister führen.

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