geliebte Mitte

„Jeder geliebte Gegenstand ist der Mittelpunkt eines Paradieses.“ *
Mit dessen Entzug geht ein ganzes Paradies verloren. Ja, es kann dann zum Purgatorium, zur Hölle werden. Dem Jona erblüht auf dem Hügel vor Ninive, wo er Stellung bezogen hat, ein Paradies, als ihm zu Häupten die Wunderpflanze, das Gewächs Kikayon emporrankt.
Es wurde im alles zur Hölle, nachdem Gott über Nacht einen Schädling schickt, so dass dieser Freudenquell und Schattenspender am anderen Tage verdorrt war.
Vielleicht ist jedes Paradies von einem realen und imaginierten Zentrum her.
Es reizt zur Liebe und weckt Begehren, ohne davon wirklich einholbar zu sein.
Das gilt bestimmt für den Baum der Erkenntnis, jene paradiesische Mitte.
Sie entglitt, ist in ein unaufhörliches Schweben oder Entgleiten geraten.
Wessen war dieser erste ‚geliebte Gegenstand‘?
Weshalb wurde er entzogen und gleich danach der Baum des Lebens mit ihm?
Wahrhaftig begründet die Klage: „Wie eng ist das Tor und wie bedrängt der Weg, der ins Leben führt.“ Die wenigsten finden ihn, es wird nur ganz selten gelebt.**

*) Novalis, Blütenstaub, Fragment 50/51
*) Matthäus 7, 14

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