Voraussicht?

Könnte sein, dass es sie gibt, als sporadisch auftretende Fähigkeit von Individuen oder auch Gruppen. Aber sie verhindert nicht und führt nicht herbei. Ihr Nachteil: sie hält sich zu dicht an Erwartungen und Vorstellungen, die aus Wünschen und Ängsten geboren werden. Die eintretende Wirklichkeit hingegen ist immer schon erwachsen. Sie wird nicht geboren. Sie kommt aus dem Werden auf uns zu. Sie wird nicht älter, sie verjüngt sich, bis sie uns schließlich trifft.
Das meiste von dem, was vorausgesehen wird, geht an uns vorbei. Es verfehlt uns, weil wir auf unsere Voraussichten fixiert sind und keinen Blick, keine Aufmerksamkeit übrig haben für das, was uns wirklich angeht. Zwischen dem Wahrscheinlichen und dem Unwahrscheinlichen verläuft ein Grat, ist ein Seil gespannt, das weite Aussichten gestattet, aber zu hoch und zu dünn ist, um darauf zu balancieren.
Merkwürdigerweise sind es die unvorhersehbaren Ereignisse, die dem Leben eigentlich Grund und Richtung geben. Sie sind der Voraussicht entzogen. Mehr als Voraussicht hat Zuversicht mit ihnen zu tun.

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